Hippodrom Istanbul

Das Hippodrom
im antiken Konstantinopel

Pferde- und Wagenrennen wurden auf diesem Platz ausgetragen und Vermögen verwettet. Hippodrome waren in der antiken Welt sehr verbreitet.

Im Reiche Byzanz' aber hatte dieses Hippodrom noch eine weitere Bedeutung. Es war ein Lebenszentrum Konstantinopels. Auf den Rängen der Tribünen hatten mehr als 40.000 Zuschauer Platz, um sich an Tierhetzen, Schauspielen, Wagenrennen und Akrobaten zu ergötzen. Dieses Freizeitvergnügen wurde vor allem für die in bedrückender Armut lebende Masse der Bevölkerung geschaffen, die darin kurzzeitig Abwechslung von ihrem trostlosen Dasein fand. Die sonst schwer zu kontrollierende Gruppe war zumindest bis zur nächsten Veranstaltung abgelenkt und ruhig gestellt. Das römische "panem et circenses" (Brot und Zirkusspiele) war Vorbild. Im September 1185 gab es auf dem Hippodrom ein echtes Highlight: Der Mob durfte den zuvor abgesetzten, seines Augenlichts beraubten und verstümmelten Kaiser Andronikus zu Tode quälen. Ein anderer Höhepunkt waren die fünfzig Tage dauernden Festlichkeiten mit Umzügen und Spaß. Anlass für diese Lustbarkeiten waren die Beschneidungen der Prinzen. Ob die bedauernswerten achtjährigen Knaben sich dort mit kindlicher Ausgelassenheit haben feiern lassen, ist den alten Quellen nicht zu entnehmen.

Gegenwärtig sehen wir auf dem Platz zwei Obelisken, eine Säule und einen Brunnen. Der Brunnen ist ein Geschenk des Deutschen Reichs, das Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1898 überbrachte. Der Brunnen wurde 1901 in Betrieb genommen.
Um die neue Hauptstadt Konstantins entsprechend zu schmücken, wurden im 3. Jh. aus dem ganzen Reich Kunstwerke herangeschafft und auf dem Platz, in den Kirchen und in der Stadt aufgestellt. Kaiser Theodosius ließ aus Ägypten einen Obelisken heranschaffen. Dieser wurde im Jahre 390 nach vielen Umwegen auf dem Hippodrom errichtet. Der Obelisk stand vordem in Karnak (Ägypten); er war damals bereits 1800 Jahre alt und sieht heute immer noch aus wie soeben vom Steinmetz geschaffen.
Die Zerstörungen und Plünderungen anlässlich eines Kreuzzuges bewirkten, dass von der Schlangensäule nicht viel erhalten blieb. Sie stammte vom Apollontempel aus Delphi. Die vergoldeten Elemente der Säule wurden Beute der kreuzritterlichen Raubgier. Französische und deutsche Fürsten stahlen auf ihren Zügen Gold und alles von Wert. Sogar vor dem Kopf des Apostels Johannes schreckten sie nicht zurück. Sie zogen marodierend durch die reiche Stadt, vergewaltigten die Nonnen in den Klöstern, besoffen sich in den Kirchen und kehrten, das Kreuz vor sich tragend, mit unermesslichen Schätzen heim. Es war ein lukratives Geschäft. Der Kreuzfahrer und Chronist Geoffroi de Villehardouin schrieb um 1213 in seiner "Histoire de la conquête de Constantinople", dass seit Erschaffung der Welt eine solche Beute noch nie in einer Stadt gemacht worden sei.

Heute zeigt sich das Hippodrom als ein Platz in paralleler Lage zur Blauen Moschee in großzügiger Weite, einer Weltstadt würdig.

Mehr Infos gibt es, wenn Sie auf die Fotos klicken.
Der Hippodrom von Konstantinopel Der Deutsche Brunnen von 1898
Der Alman Çesmesi (Deutscher Brunnen) Der 19,6 m hohe Obelisk stammt aus Luxor (Karnak)
Der Marmorsockel des ägyptischen Obelisken Der Obelisk und der Ibrahim Pascha Palast
Der gemauerte Obelisk auf dem Hippodrom Die geschlungene Säule in der Mitte des Hippodroms
Ibrahim Pascha Palast Am Biginn des Hippodroms
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Fotos und Texte © Heinz Albers

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