Das sehenswerte
GELSENKIRCHEN

2. Teil
53 Fotos von Heinz Albers
aufgenommen im Juni/Juli 2021


Gelsenkirchens Nachbarn und Stadtteile:

Gelsenkirchen, Stadtteile, Nachbarorte

Mehr Infos über Gelsenkirchen im 1. Teil.

Bequem erreichten wir mit den Zügen des ÖPNV den Gelsenkirchener Hbf.
Zunächst hatten wir die Halde "Rheinelbe" angepeilt. Sie liegt im Stadtteil Ückendorf, hart an der Stadtgrenze zu Bochum-Wattenscheid. Anfahrt mit der Linie 302 bis zur Gesamtschule Ückendorf. Nach knapp zwei Wander-Kilometern ist man am Ziel.
Die Zeche existiert seit über 60 Jahren nicht mehr. Leider gibt es kaum bzw. keine Hinweisschilder für Fußgänger. Das machte nicht nur uns die Erkundung des doch recht weitläufigen Terrains unnötig schwer, manch Interessantes blieb uns daher in der reich wuchernden Vegetation verborgen.
Von der Plattform der Halde, auf der ein zehn Meter hoher Koloss - die "Himmelstreppe" - thront, hat man eine schöne Fernsicht, wenn das Wetter mitspielt. Himmels
treppe ist eine etwas irreführende Bezeichnung, weil von einer "Treppe" nicht die Rede sein kann. Diese sperrige Konstruktion aus Betonteilen der alten Zeche wurde von Hermann Prigann geschaffen.
Der Aufstieg über sanft ansteigende Wege und wahlweise über die (echte) Treppe gestaltete sich durchaus bequem. Die 54 Stufen bis zum Gipfel ("Dach" nennt man es) sind auch für ungeübte Wanderer keine wirkliche Herausforderung. Sportliche Ausflügler bewältigen die Etappe sogar mit Fahrrädern. Oben kann sich dann die Fotoausrüstung austoben. Und schon ist auf dem Wunschzettel ein neues Teleobjektiv der allerhöchsten Güteklasse notiert.

Der Bus 389 fuhr uns vom Nattmannsweg zurück zum Hauptbahnhof. Nachdem wir ihn verlassen und den Anfang der Bahnhofstraße betreten hatten, sahen wir einen
überdimensionalen Aushang, der einen Umbau des "BahnhofsCenters" in Aussicht stellt: Offenbar soll das budenähnliche, ärmliche, kleinstädtische Ärgernis Bahnhofsvorplatz 5 umgebaut werden. Gut so! Weg mit der Bausünde! Was dort immer auch geändert wird, es kann nur besser werden. Glückauf!
Bei 28 Grad im Schatten halfen wir dem köstlichen Inhalt eines frostbeschlagenen Eisbechers beim Zerschmelzen und nahmen danach noch eine kühle Cola im erstbesten Straßencafé an der Bahnhofstraße zu uns.
Nach dieser Pause fuhren wir mit der Linie 301 bis fast an das Gelände des ehemaligen Bergwerks, das von den Bürgern Gelsenkirchens schlicht "Consol" genannt wird. Die Haltestelle der U-Bahn, die ganz im Sinne eines unterirdischen Stollens gestaltet ist, heißt demzufolge "Bergwerk Consolidation". Nur etwa 300 Meter entlang der Marschallstraße, schon waren wir an Ort und Stelle.
Bis zu 3,4 Millionen Tonnen Kohle wurden auf Consol jährlich aus der Erde geholt ("gefördert") und 1,1 Millionen Tonnen Koks erzeugt. Die Dreckschleuder ist seit 1993 stillgelegt. Etwa 5.000 Menschen verloren ihren Job. Abertausende gewannen saubere Luft. Die meisten Betriebsanlagen und Gebäude wurden abgerissen. Auf dem nun freien Areal wurde der durch den Bergbau unfruchtbar gewordene Boden wieder urbar gemacht, begrünt und mit Wiesen und Spielflächen versehen. Er hat einen sehr hohen Freizeitwert.
Die jetzt noch verbliebenen Bergbaugiganten stehen alle unter Denkmalschutz. In ihnen gibt es diverse Einrichtungen (Consol-Theater, Musik-Probenraum, Ausstellungen...). An einer anderen Stelle wurde etwas Gewerbe angesiedelt und Parkplätze errichtet.
Für uns war es wichtig, den Rad-/Fußweg von Consol in Richtung Wanne-Eickel zu begehen, führt er doch nahe an dem Haus vorbei, in dem wir bis 1969 gewohnt haben. Wir erinnern uns noch gut daran, wie tagaus und tagein mit Kohle und Koks beladene Güterwagen von Zechenloks gezogen über diese Bahnstrecke in Richtung Hafen Wanne-Eickel vorbeirumpelten. Das ist Vergangenheit und Kohlenstaub von gestern! Das Gleisbett der Zechenbahn ist zurückgebaut, die Brücken sind erneuert. Der Weg ist befestigt oder gepflastert und sehr gut begeh- und befahrbar. Drei Kilometer lang ist er vom Beginn in Höhe der Christinenstraße bis zu der Kreuzung am Ende der Reckfeldstraße. Weil die Streckenführung auf einer hohen Böschung liegt, die an beiden Seiten schon seit Jahrzehnten engmaschig mit Bäumen und Sträuchern bewachsen ist, haben wir von
dem Haus nur schemenhaft etwas sehen können. Nur sehr selten gibt es offene Durchblicke auf die Umgebung. Im Spätherbst oder Winter, wenn das Laub gefallen ist, mag das günstiger aussehen.
Unseren Wunsch, am Ende der Wanderung den Hafen Grimberg zu erreichen, konnten wir nicht realisieren, weil er von eingezäunten Unternehmen besetzt ist. Plötzlich stellte sich uns ganz überraschend eine gelbe Ortstafel mit dem Aufdruck "Herne" in den Weg. Verfranzt! Also zurück und vorbei an diversen Staub produzierenden Firmen. Ein hässlicher Bereich! Lassen Sie sich in der Nähe nicht von der Straßenbezeichnung "Schloßstraße" und von den häufigen Hinweisschildern "Schloss Grimberg" irritieren. Für Ortsfremde ist das Verarsche pur! Seit 1960 gibt es nicht mal mehr eine Ruine, die an das einstige Schloss erinnern könnte. Stattdessen hat sich dort u.a. eine Autowerkstatt etabliert. Über die Grimbergstraße fanden wir zurück in eine angenehmere Welt. Bis zum sehenswerten Gelsenkirchener Zoo, der "Zoom Erlebniswelt", wäre es dann nur noch ein beherzter Katzensprung in Richtung Norden gewesen.

Irgendwann 1960/61 war ich eine Woche lang als Auszubildender im
Bahnbetriebswerk (abgekürzt Bw) Gelsenkirchen-Bismarck. Etwa hundert Meter östlich befanden sich auf Bahngebiet ein Sportplatz und ein Freibad. Diese Sportanlagen machten die Angelegenheit für mich etwas abwechslungsreicher; beide Einrichtungen existieren heute nicht mehr. Der Sportplatz wurde 1930/31 von den Mitgliedern (mehrheitlich Eisenbahnern) des ETuS Bismarck in der Freizeit erstellt. Heute spielt der "Eisenbahn Turn und Sportverein" auf dem Platz am Trinenkamp.
Der imposante Lokschuppen mit seinen 16 Toren steht unter Denkmalschutz. Seit ca. 30 Jahren ist die Anlage verwaist. An Samstagen kann man nach telefonischer Absprache (0209-21122) eine Besichtigung vornehmen. Der Eintritt ist frei, fürs Fotografieren wird eine Gebühr erhoben. Kniehoch gedeiht rund um die arbeitslose Drehscheibe Grünzeug zwischen den rostigen Schienen. Der westlich anschließende Güterbahnhof GE-Bismarck hat mit dem großen Zechensterben ebenfalls seine Daseinsberechtigung eingebüßt. Auf einigen Gleisen der toten Bahnanlage waren viele aktuell nicht benötigte Güterwagen abgestellt.
Es existiert am südlichen Rand des Bahnhofs seit dem 19. Jahrhundert ein Personenbahnhof zuerst mit dem Namen Gelsenkirchen-Bismarck. Er wurde am 22. Mai 1955 werbewirksam in Gelsenkirchen Zoo umbenannt.
Bis in den späten 1960er Jahren gab es dort noch ein repräsentatives
Empfangsgebäude mit Büroräumen für die Amtsschimmel, mit einer Fahrkartenausgabe und einer Gepäck- und Expressgutabfertigung. Außerdem waren öffentliche WCs und Telefonzellen vorhanden. Als Krönung gab es zwei große Gaststätten ("Wartesäle"), die links führte sogar die Bezeichnung "1. Klasse".
Regelmäßig fuhren Züge nach Borken (Fahrzeit 57 Minuten), Wanne-Eickel (Fahrzeit 8 Min.), nach Essen Hbf (Fahrzeit 20 Min., mit Halt in Schalke Nord, Heßler, Katernberg Nord, Stoppenberg) und nach Oberhausen Hbf (Fahrzeit 32 Min., mit Halt in Schalke, Horst Süd, Karnap, Bottrop Süd, Osterfeld Süd). Wenn ich bequem und schnell zur
Glückauf-Kampfbahn wollte, nahm ich den Triebwagen Richtung Essen Hbf und stieg 3 Minuten später in Schalke Nord - nur 200 Meter vom Stadion entfernt - aus. Schneller ging's nicht.
Sogar einen Friseursalon gab es im Anbau. Der Inhaber, Coiffeur Kloy, schickte morgens seinen Bernhardiner (oder was immer das für ein Geschöpf war) mit einem Körbchen im Maul zu der 200 m entfernten "Bude". (Das Wort "Trinkhalle" wäre für diese Konstruktion aus Brettern eine überkandidelte Bezeichnung gewesen.) Sie stand an der Ecke Bismarckstraße und Braubauerschaft. Dort nahm der Budist, Herr Knobloch, den Botenhund freundlich in Empfang, entnahm dem Körbchen das Geld und legte im Gegenzug eine Zeitung und ein Päckchen Zigaretten hinein. Sofort machte sich der Vierbeiner brav auf den Weg zu seinem Herrchen, lieferte die Ware ab und wurde von ihm gestreichelt und sehr gelobt.
Das Empfangsgebäude wurde abgerissen, dem Neubau der Autobahn A42 geopfert. Die oben genannten Einrichtungen verschwanden ersatzlos, wie auch die Reisenden nach Ausdünnung des Zugangebots. Denn heute verkehrt dort nur noch die Regionalbahn RB 43 (Emschertal-Bahn). Und das auch nur im Stundentakt. Die Linie führt von Dorsten über Wanne-Eickel bis Dortmund.
Die Treppe zum Bahnsteig ist in der östlichen Wand der Unterführung des Bahnhofs Bismarck versteckt. Auf dass ihn möglichst niemand finden möge... Dank dieser Verkehrspolitik kann alsbald mit der Schließung des Haltpunktes Gelsenkirchen Zoo gerechnet werden. Warten wir es ab!

An einem anderen Tag besuchten wir wieder einmal den Stadtteil mit dem unbestreitbar höchsten Wohnwert Gelsenkirchens:
Buer.

Zu den folgenden Bildern:
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Fotos und Texte © Heinz Albers
Fahnen im Wind Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen Die 10 m hohe Himmelstreppe Himmelstreppe
Halde Rheinelbe Aussicht vom Dach der Halde Rheinelbe Gelsenkirchen von der Rheinelbe-Halde Gelsenkirchen von-der-Recke-Straße
Gelsenkirchen Zentrum Kraftwerk Herne Halde Rheinelbe Rheinelbe Skulpturenwald, unterhalb der Halde
Bergwerk Consolidation Gelsenkirchen Bismarckstraße Gelsenkirchen Consol in Gelsenkirchen Ehemalige Zeche Consol in Gelsenkirchen
Consol, Zeche in Gelsenkirchen Es grünt so grün... Schacht 4 und Lüfter auf Consol Consol und die magische 800.000 Schacht 4 und das Maschinenhaus
Consolidation Zentralförderschacht 9 Alte Winde und Förderturm Schacht 9 von Consol Förderturm Schacht 9 Consolidation Gelsenkirchener Vögel
Kunst aus Schrott Schrottkunst aus Gelsenkirchen Freizeitgelände Consol Gelsenkirchen Consol-Park
Ehemalige Zechenbahn Consol - Wanne-Eickel, Brücke an der Bickernstraße Ehemalige Zechenbahntrasse Consol Rad-/Fußweg Zechenbahn Ex-Eisenbahntrasse an der A 42
Am Wegesrand gesehen Ex-Eisenbahntrasse Consol Unterführung Bismarckstraße in Gelsenkirchen Denkmal Lokschuppen Bw Gelsenkirchen-Bismarck
Drehscheibe Bw Gelsenkirchen-Bismarck. Das Innere des Drehscheibenhäuschens Zugewuchertes Gelände Bw Gelsenkirchen-Bismarck
Teil des Lokschuppens Bw GE-Bismarck Heimat: Bw Gelsenkirchen-Bismarck Beschilderungen am Tender der 044 Das Rathaus von Gelsenkirchen-Buer
Rathaus und Gesamtschule Buer "Blobster" in Gelsenkirchen-Buer Probsteikirche St. Urbanus in GE-Buer St. Urbanus Gelsenkirchen-Buer
Kirche Sankt Urbanus in Buer Vestiaturm i Gelsenkirchen Vestiaturm Kirche St. Ludgerus in Gelsenkirchen-Buer
Kunstmuseum Gelsenkirchen