Zypern - Kιbrιs

Karte_Zypern
(C) Karte: Maximilian Dörrbecker

Das gepeinigte Land

Kaum eine Insel hat so sehr gelitten und hat so viele Besitzer und Ausbeuter gehabt. Kupfer und Marmor waren im Altertum die begehrtesten Bodenschätze Zyperns. Diese machten Zypern für Eroberer begehrenswert. In früherer Zeiten nannten die Menschen "Kupfer" „aes cyprium“. Das ist Lateinisch und heißt übersetzt so viel wie Erz aus Zypern.
Interessant fanden die Insel auch die Götter der griechischen Mythologie: Einst soll Aphrodite, die Göttin der Liebe, der Begierde, Sexualität und Schönheit, vor Zypern dem Meer entstiegen sein. Sie war die Tochter der Urgötter Uranos und Gaia. Deren Sohn, der Titan Kronos, schnitt seinem Vater Uranos auf Befehl seiner Mutter die Geschlechtsteile mit einer Sichel ab. Kronos warf diese hinunter ins Meer. Uranos' Blut und Samen vermischten sich mit dem Meerwasser, das ringsum aufschäumte. Aus dem Schaum gebar das Meer die Aphrodite. Sie wird daher gelegentlich auch die "Schaumgeborene" genannt. Die Göttin Aphrodite war vor etwa 3.300 Jahren die eigentliche Verursacherin des sagenhaften Trojanischen Krieges.
Sie merken, man war schon damals nicht zimperlich. Kein Wunder also, dass Zypern stets ein Gebiet war, in dem Gewalttätigkeiten zur Historie gehörten.
Nachfolgend ein kurzer und unvollständiger Abriss der wechselhaften Geschichte, oder gelangen Sie hier zu Wikipedia, zu einer gründlichen Darstellung der Geschichte Zyperns.
Die erste Besiedelung erfolgte 9000 v. Chr. wohl von Syrien aus. Mykener wurden 1200 v. Chr. Herren der Insel. Ägyptische, arabische und persische Einflüsse folgten. Danach (332 n. Chr.) Zugehörigkeit zum Alexanderreich, später zum Ptolemäerreich. Irgendwann gewann die römische Herrschaft die Oberhand. Abwechselnd folgten ab dem Jahre 1191 Kreuzzüge und englische, dann genuesische und venezianische Eroberer bis etwa 1571. Denen schloss sich eine fast 300-jährige Besetzung durch das Osmanische Reich an. Anschließend war Zypern britische Kronkolonie. Erst 1960 wurde die Insel unabhängig. Es trat aber keine Ruhe und kein Frieden ein. Vielmehr folgten jahrelang bürgerkriegsähnliche Zustände, Unruhen, Pogrome und Putsche. Eine Friedenstruppe der UNO wurde 1964 bis in die Gegenwart stationiert.
Seit 1974 ist die Insel geteilt, nachdem türkische Truppen den Nordteil mit der Begründung besetzt hatten, die türkischen Inselbewohner schützen zu müssen. Zwei selbstständige Staaten existieren seit dem Vorfall dort:
Im Norden ist es die Türkische Republik Nordzypern, auf Türkisch "Kuzey Kıbrıs Türk Cumhuriyeti". Sie wurde 1983 ausgerufen und ist international nicht anerkannt; sie ist ein Vasallenstaat der Türkei. Von dort aus wird Geld hineingepumpt und mittels einer Pipeline Trinkwasser, denn der Nordteil leidet seit ewigen Zeiten unter Trockenheit und chronischem Regenmangel. Ohne diese Wasserspende vom türkischen Festland gäbe es keine Hotellerie für den Tourismus und keine zufriedenstellenden Ernteerträge.
Der größere Südteil ist die "Republik Zypern".
Die Demarkationslinie zwischen den beiden Ländern teilt die
gemeinsame Hauptstadt Nikosia, die von der Türkisch sprechenden Bevölkerung des Nordens Lefkoşa genannt wird.
Die Republik Zypern ist Mitglied der EU und international anerkannt, während der Norden nur mit Ankara diplomatische Beziehungen unterhält. Das führt dazu, dass Flugzeuge aus Drittländern, wie z.B. aus Deutschland, Nordzypern (Ercan) nicht nonstop anfliegen dürfen; es ist immer ein Zwischenstopp auf türkischem Boden (in der Regel in Antalya) erforderlich. Das gilt sinngemäß auch für Flüge der Gegenrichtung.

Zwischen den beiden Stadtteilen Nikosias/Lefkoşa gibt es eine
Grenzstation, an der wir beim Wechsel von einem in den anderen Staat (oder Stadtteil) unsere Personaldokumente vorzeigen mussten. Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Grenzwächter beider Seiten ihren Job ernst genommen hätten. "Freundliches Abnicken und Durchwinken" war wohl eher der passende Begriff für die sonst übliche hoheitliche Maßnahme einer Pass- und Personenkontrolle zwischen zweier souveräner Staaten. Menschen mit einem türkischen Pass haben dem Vernehmen nach keine Möglichkeit eines Grenzübertritts.

Politiker beider Staaten Zyperns berieten seit etlichen Jahren darüber, eine Wiedervereinigung herbeizuführen. Die beteiligten Minister waren guten Willens und befanden sich auf dem richtigen Weg: Die Wiedervereinigung war angeblich nur noch eine Frage von Formalitäten. Stand Juli 2017: Die Zypernfrage bleibt weiter ungelöst. Ein Grund dafür ist auch, dass die Türkei als "Garantiemacht" auftreten und eigene Truppen weiterhin auf Zypern stationiert lassen will. Der Außenminister der Republik Zypern erklärte im Juli 2018, es gebe neue Anzeichen, dass die Gespräche unter Vermittlung der Vereinten Nationen wieder aufgenommen werden könnten. Am 29.04.2021 erklärte die UNO, dass Gespräche wieder einmal ergebnislos beendet worden seien.
Unter dem Regime Erdogans wird sich eine Einigung wohl nicht erfüllen. Vor der Küste Zyperns lagern große Erdgasvorkommen, die die Türkei für sich beansprucht. Die Konflikte um Zypern werden so bald nicht beendet sein.

Zypern gehört geografisch zu Asien. Die Insel wird jedoch politisch meist zu Europa gezählt, zumal der Süden der Insel der EU angehört und von dort großzügig subventioniert wird.

In dem nicht türkischen Teil Zyperns bekommen Menschen aus aller Welt einen gültigen Pass, wenn sie für zwei Millionen Euro Immobilien erwerben und Geld in staatliche Fonds einzahlen. In gewissen Kreisen bedeutet diese Summe lediglich den Wert einer schlappen Portokasse. Reiche Kriminelle aus aller Welt nutzen daher diese Gelegenheit Zypriot zu werden. Das besonders deshalb, weil sie automatisch Bürger der EU werden und ungehindert ihre "Geschäfte" verfolgen können. Criminals welcome in the EU!

Während unseres kurzen Aufenthalts haben wir St. Hilarion, Bellapais, Girne, Salamis, Famagusta und beide Teile der Hauptstadt Nikosia/Lefkoşa besichtigt.
Untergebracht waren wir im Norden, im Hotel "Riverside Garden Resort" mit seinem sehr weitläufigen Areal. Das Hotel ist nach deutscher Klassifizierung ein Dreisternehotel.

Hier sind 112 Fotos:


1. Burg St. Hilarion, Bellapais, Girne

2. St. Barnabas, Sálamis, Famagusta

3. Nikosia (Lefkoşa)




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