Döneken Nr. 91 - 100




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Fahrt mit Zerstörer 1 nach Lissabon und Teneriffa im Januar/Februar 1966. In Lissabon wurden uns leider keine geisthaltigen (alkoholischen) Besichtigungen angeboten, dafür aber eine Stadtrundfahrt, während der wir u.a. das Stadion von Benfica Lissabon und die Kathedrale mit dem Grab Heinrich des Seefahrers besichtigten. Indem wir also andächtig durch die Kathedrale latschten und uns die Wandmalereien ansahen sah ich links kurz vor dem Altar zwei Frauen und einen Mann sitzen. Als wir uns dem Altar näherten stand der Mann auf und bot uns die beiden Frauen zum Beischlaf an. Wir waren ja ein abgebrühter Haufen und hatten schon viel erlebt, aber das ging doch gegen unsere christliche Erziehung und wir lehnten dankend ab. Peter Engler



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Peter, bei dieser Rundfahrt am 14. Januar 1966 war ich auch dabei. Das Fußballstadion ohne Gegenkurve war eine Sensation für mich, der nur so alte Kästen wie die Glückauf-Kampfbahn von Schalke 04 kannte.
An die beiden Frauen, die im Kloster des Jeronimos - eines der schönsten Bauten Lissabons - ihre Dienste anboten, habe ich eine lebhafte Erinnerung, denn vor allem das überaus hübsche Mädchen mit ihrem Lächeln spukte mir lange noch im Kopf herum.
Mutter und Tochter sollen es gewesen sein. Das hatte ich zumindest verstanden. Einen Mann hatte ich nicht bemerkt.
Die beiden hatten mich diskret, freundlich und flüsternd angesprochen. Sie machten Äußerlich absolut nicht den Eindruck, aus dem horizontalen Gewerbe zu kommen. Da ich nur wenig von dem Zugeflüsterten verstanden hatte, war ich mir nicht so sicher, ob sie das sagten, was ich vermutete oder zu vermuten hoffte oder nicht. Das hätte peinlich ausgehen können, falls sie beispielweise nur für gefallene Mädchen gesammelt hätten. Ihre Blicke und ihr Lächeln waren aber schon verwirrend. Die Angemessenheit der Umgebung für ein derartiges Werbegespräch hatte ich aber bezweifelt und daher meine schmutzigen Gedanken nicht weiter verfolgt. Etwas verstört wandte ich mich schließlich ab.
Und nun kommst du, Peter, 44 Jahre später damit heraus, dass das wohl etwas hätte werden können. Mann oh Mann! Eine ménage à trois mit denen! Wert eines Disziplinarverfahrens wegen unerlaubten Entfernens von der Truppe war das Girl allemal!
Damit wir auf andere Gedanken kommen: Hier sind Infos zum Kloster. Heinz Albers



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Januar 1966 mit Z 1 in Teneriffa:
Im Rotlichtviertel war in einer Bar eine dunkelhäutige Schönheit mit einem unheimlichen Vorbau beschäftigt. Um sie zu ärgern zeigten die Lords von Z 1 auf ihre Brüste und sagten immer wieder "Plastico". Nach einiger Zeit war sie so genervt, dass sie Ihre Brüste aus der Bluse holte und meinte "nix Plastico", was von den Lords mit brüllendem Gelächter quittiert wurde. Peter Engler



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Zu dem Döneken Nr. 92 fällt mir noch ein, dass wir von Santa Cruz de Teneriffe manche Nacht mit dem Taxi durch die Bananenplantagen zur „Casa de la Puta“ gefahren sind. Wenn die Damen dann anfingen zu „betteln“, um einen Drink oder anderes zu „verkaufen“ habe ich immer (fast immer) mit dem Hinweis auf fehlendes Geld abgelehnt. Sehr schnell hatten aber die Damen des horizontalen Gewerbes heraus, dass in unserer Klappbuchse innen ein kleines Geheimfach mit den nötigen Reserve-Pesetas vorhanden war. Sie konnten mit viel Geschick und mit Streicheleinheiten die Hose fast automatisch öffnen. Uwe Kitzerau



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Sag mal, Uwe, kann es sein, dass du das "Geheimfach" zweckentfremdet hast? Nach meiner Erinnerung war es eigentlich für die Aufbewahrung von "condones" (spanisch für Kondome) gedacht. Peter Engler



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Für die Reise nach Brest und Gran Canaria im November/Dezember 64 hatten wir Versorger von Zerstörer 1 rund 4000 Rollen Toilettenpapier übernommen. Da wir in Gran Canaria einen Landanschluss zur Wasserversorgung hatten, erwischte einen Großteil der Besatzung "Montezumas Rache", d.h. die Kameraden bekamen Durchfall. Das führte dazu, dass ich als Versorgungsgast vom Dienst auf der Rückfahrt im Nord-Ostsee-Kanal die letzte Rolle ausgeben durfte. Bei späteren Besuchen der Kanarischen Inseln haben es unsere Heizer dann vorgezogen, auf den Landanschluss zu verzichten und selbst wieder das Wasser herzustellen nach dem Motto "Lieber ein paar Stunden vor den Kesseln schwitzen als nochmal die Sch...... haben und aufm Pott sitzen".
Nach Rückkehr von dieser Reise lief das Geschwader komplett in Kiel-Holtenau in eine Schleusenkammer ein. Vorne rechts Z 2, links daneben Z3 und wir als taktische Nr. 3 rechts hinter Z 2. Als dann das Schleusentor zum Auslaufen geöffnet wurde legte Z 3 als erstes Schiff ab. Unser Alter wollte aber nicht solange warten bis auch Z 2 draußen war und sagte deshalb (laut dem Brückenpersonal) "Kartoffel, Kartoffel Kameraden, wir wollen nach Hause". Wir legten also ab, rauschten in der Schleuse an Z 2 vorbei, wobei der Schleusenmeister ganz verzweifelt über Lautsprecher schrie: "D 170 fahren sie langsam, sie bringen die ganzen Reibhölzer durcheinander", überholten zwischen Holtenau und der Tirpitzmole sogar noch Z 3 und lagen als erstes an der Pier. Als Z 2 und Z 3 dann auch festgemacht hatten kam der Geschwaderkommodore wutentbrannt über die Pier gesaust, der Alte aber ging seelenruhig die Stelling hoch und meldete ihm: "Z 1 ohne besonderen Vorkommnisse von Auslandsfahrt zurück". Peter Engler




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Ich weiß nicht mehr, ob es Weihnachten 64 oder 65 war, auf jeden Fall wurde Z 1 dem Ruf des Kriegs- und Partyschiffs gerecht. Für unseren Posten Pier wurde auf einem Poller ein großer Thermoskübel (sonst Kaffeebehälter) mit Punsch bereitgestellt. Z 2 und Z 3 waren nicht so sozial eingestellt und so kam es, dass die Posten Pier von Z 2 und Z 3 uns öfter mal besuchen kamen und dem Punsch zusprachen, was dazu führte, dass sie nicht mehr ganz nüchtern waren. Der Posten von Z 3 war sogar so besoffen, dass ihm sein Gewehr ins Hafenbecken fiel und er in voller Montur hinterhersprang. Er wurde dann rausgefischt und das Gewehr am anderen Tag von Tauchern geborgen. Ob und was er für eine Diszi bekommen hat haben wir nicht erfahren. Peter Engler



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Zerstörer 1 musste laufend unter Farbe gehalten werden. Entweder es wurde Farbe gewaschen oder gepönt. Diesmal war Pönen angesagt.
Die Truppe vom Smarting war mit ihrem Floß zwischen Pier und BB Seite. Ich muss zwischendurch erwähnen, aber das wusste ja jeder, dass im Hafen keiner auf die Druckkammer gehen durfte. Die Toiletten in der Mole waren zu benutzen. Die Lords hatten nun ihren Job zu machen und es ging lange Striche kurze Pause oder umgedreht. Ich hatte BdW und beobachtete das Treiben. Das Floß mit den Lords war gerade in Höhe der Offz.-Toilette, als sich ein Wasserstrahl mit einigen "Kupferbolzen" über die Jungs ergoss. Das Geschrei der Jungs hättet ihr hören sollen! Mit einem Satz sprangen sie ins Wasser. Passieren konnte ja nichts, denn sie trugen vorschriftsmäßig ihre Arbeitsschwimmwesten. Dieter Freund



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Auf Z1 war Rostkloppen angesagt. An der Außenseite des Vorschiffes an Backbord, höhe U-Deck, wurde beim Entrosten ein Loch geschlagen und man hatte anschließend ein Fenster.
Dieses Loch befand sich in der Höhe, in der das Schiff auf See immer eintauchte. Am folgenden Tag kamen die Werftgrandys und wechselten die Stahlplatte aus. An dem Loch wurde festgestellt, dass es aus 11 Millimeter Farbe und 1 Millimeter Stahl bestand. Erwin Krause



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Eines Tages hatte ich schmerzhafte Verspannungen im Schulter- Nackenbereich weshalb ich das Sanischapp von Zerstörer 1 aufsuchte. Der Sani meinte, er könne mir helfen, denn er hätte eine Salbe, welche Wärme erzeugen und deshalb meine Beschwerden lindern würde. Er schmierte mich also damit ein und begann dann, die Salbe einzumassieren, wobei er mich immer wieder fragte: "Spürst Du schon was?" Ich verneinte jedes Mal, worauf der Sani immer wieder murmelte "verstehe ich nicht". Außer einer angenehmen Wärme merkte ich aber nichts.
Einige Wochen später verstand ich aber, warum der Sani mich immer wieder fragte, denn ich sah ihn über Oberdeck laufen, verfolgt von einem Unteroffizier der immer wieder schrie: "Bleib stehen, ich bringe Dich um".
Als ich später den Sani fragte, was denn los gewesen sei sagte er mir, dass er den Unteroffizier mit der gleichen Salbe eingerieben und es bei dem höllisch gebrannt habe. Den Kameraden, die mit dieser Salbe Bekanntschaft gemacht haben brauche ich den Namen des Produkts nicht zu nennen. Es gab damals aber zwei gleichartige Salben, wobei auf Z 1 nur eine Sorte benutzt wurde.
Meine Unempfindlichkeit gegen Hitze ist wohl auch mit ein Grund, warum ich mich hier in der Karibik so wohlfühle. Peter Engler



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Irgendwann 1962 lag Zerstörer 1 mit den anderen Schiffen des 1. Z-Geschwaders an der Tirpitzmole.
Da unser Schiff als sauberstes unseres Geschwaders galt, malten eines Nachts die Kameraden von Z 3 neben dem Z 1-Wappen einen "Sunil"-Schriftzug ans Schiff. Die Kameraden von Z 3 gelangten über eine Trosse an die Bordwand. Die Bordwache von Z 1 hatte in der Nacht nichts davon mitbekommen.
Die Maler der Beschriftung wurden schnell gefunden. Nach Beseitigung der Schmiererei sind sie glimpflich davon gekommen. Als Strafe wurde ein Kasten Bier festgesetzt. Unter Korvettenkapitän Lang (LI) lernten wir das Rauchlosfahren. Z 3 fuhr nur mit Rauchfahne. Z 3 wurde darum von uns als die "Schwarze Sau der Ostsee" bezeichnet. Erwin Krause



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Heute habe ich ein Foto mit der alten Schiffsglocke von Zerstörer 1 gesehen. Sie hängt in der ehemaligen Marineschule in Flensburg-Mürwick. Bei dem Anblick unserer Glocke fiel mir der alte Schlager ein: "Man müsste nochmals zwanzig sein und so verrückt (verliebt) wie damals". Ich glaube, dann würde die Glocke nicht mehr lange dort hängen. Ich denke da an unsere Besuche in Wilhelmshaven, wenn die Lords mal wieder zuschlugen und im besoffenen Kopf Barhocker, Teppichläufer und einmal sogar eine Musikbox mit an Bord brachten. Leider kann das mit der Glocke nicht mehr passieren, aber in irgendeinem Wohnzimmer wäre sie ein schöner Wandschmuck. Peter Engler

 Schiffsglocke von Zerstoerer 1

Erhard Schlaak danken wir für das Foto



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Es war einer der ruhigeren, zivilisierteren Abende in der Flensburger Stützpunktkantine, d.h., die Urinal- und Toilettenbecken sowie die Toilettentüren blieben an ihrem Platz, obwohl wir mit Zerstörer 1 dort waren. Auch versuchte keiner, wie schon vorgekommen, an den riesigen runden Lampen Tarzan zu spielen. Die Bilgenkrebse ergötzten sich an ihrem Spielchen "Zinken fliegen", wobei sie nach dem Verzehr von Pommes mit Currywurst oder Rührei die Aluminiumgabeln mit den Zinkenspitzen nach unten auf den Tisch legten und dann kräftig zuschlugen, worauf die Zinken in alle Richtungen flogen.
Mit zunehmendem Alkoholgenuss wurde es dann aber etwas lauter, und zu den Liedern aus der Musikbox wurden kräftig mitgesungen. Dies veranlasste dann die Torwache vom Stützpunkt einmal um die Ecke zu gucken. Da sie sich aber nicht trauten die Kantine zu betreten, riefen sie auf dem Dampfer an, worauf der OvD mal kurz vorbeischaute. Da es zwar laut aber friedlich war, ging er wieder zurück. Dieses wiederholte sich noch zweimal, wobei er uns zuletzt aufforderte, mit ihm zu dem Dampfer zurückzugehen. Da es aber noch keine 22 Uhr war wollten die Heizer noch nicht zurück. Als Vertrauensmann sprach ich dann mit ihnen, und sie unterbreiteten mir folgenden Vorschlag: "Wir gehen mit auf den Dampfer zurück, aber nur, wenn wir in 3er-Reihen marschieren und dabei singen dürfen." Ich glaubte, meinen Ohren nicht trauen zu dürfen, aber trotzdem sagte ich dies dem OvD und dieser war einverstanden. Also versammelten wir uns unten vor der Kantine und marschierten nachts kurz vor 22 Uhr singend durch den Stützpunkt zum Dampfer zurück. Am anderen Morgen bedankte sich der OvD bei mir, dass der Rückmarsch so friedlich verlaufen war. So etwas habe ich aber bei den Heizern nie wieder erlebt. Peter Engler


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