Döneken Nr. 81 - 90



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Der von allen Radarmixern von Zerstörer 1 nicht so sehr verehrte Elektronikmeister Stabsbootsmann S., von uns intern nur STABO genannt, mischte sich gerne in Dinge ein, die eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fielen. So saß ich "auf Wache" einmal in dem kleinen, von der OPZ abgeteilten Raum, in welchem sich zwei Sichtgeräte und der Kartentisch befanden. Ich blickte zufrieden auf das Radarbild und meldete zum Plotttisch die entsprechenden Daten (Peilung u. Abstand der Kontakte).
Nun trat STABO zu mir und befand, dass er die Einstellung ändern müsse (Helligkeit, Schärfe, Nahechodämpfung pp.). Nachdem er meinen Raum verlassen hatte, maulte ich ihm hinterher: "Seit STABO hier rumgedreht hat, kann ich gar nichts mehr sehen." Er war wohl noch in Hörweite, kehrte um und donnerte los: "Ich verbitte mir ihre Kritik, sonst gehen wir mal zum IO!" Danach entfernte er sich steifen Ganges. Nach Beendigung der Wache traf ich ihn an Deck und erklärte ihm sehr direkt, dass der IO sich bestimmt bedanken würde, wenn man ihm mit solchen "Problemen" käme. STABO machte jetzt auf jovial, nahm mich an der Schulter und sprach: "Obermaat Reher, ich möchte ja nur nicht in Anwesenheit der Gasten kritisiert werden, das gehört sich nicht."
Ich hatte ihm nicht versprochen, ihn nur noch in seiner Abwesenheit zu kritisieren. Klaus Reher



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Auch mir ist eine kleine Geschichte zu unserem STABO eingefallen.
Manchem von Zerstörer 1 wird noch in Erinnerung sein, dass wir Versorger alle 14 Tage in der Vorpiek Kojenzeugtausch durchführten, der um 9 Uhr beendet sein sollte. Meistens schafften es einige der Seeziegen und Bilgenkrebse der abgelösten Wache aber nicht, bis 9 Uhr da gewesen zu sein. Und jedesmal, wenn dann der STABO nach 9 Uhr vorbeikam, schiss er die verspäteten Kameraden zusammen. Uns Versorgern konnte er ja nichts anhaben, wenn wir noch etwas länger tauschten.
Aber eines schönen Tages hatte ich ein besonderes Erfolgserlebnis. Stand doch nach 9 Uhr der STABO mit seinem Kojenzeug in der Reihe der Seeziegen und Bilgenkrebse. Als er dann an der Reihe war mußte ich ihm leider sagen, dass der Kojenzeugtausch beendet sei, da es nach 9 Uhr war. Er erzählte mir dann etwas davon, dass sein Aufklarer nicht gekommen sei. Ich aber lehnte es weiterhin ab, sein Kojenzeug zu tauschen, obwohl mein Kumpel mit neuem Bettzeug im Wäscheschrank stand. Also schob er wieder mit seinem dreckigen Zeug ab, und wir tauschten unseren Kameraden weiter ihr Kojenzeug um.
Kurze Zeit später kam über Bordlautsprecher die Durchsage "OGefr. Engler zum Versorgungsoffizier". Ich also zum VO, der mich fragte, was denn in der Vorpiek los gewesen sei. Ich erzählte ihm, dass der STABO die Kameraden bei Verspätung zusammenschiss und ich deshalb mit dem Hinweis auf einen im Versorgungsschapp vorliegenden schriftlichen IO-Befehl mich geweigert hätte, sein Kojenzeug zu tauschen. Damit hatte sich die Sache erledigt und ich bin wieder in die Vorpiek zurück. Der Kojenzeugtausch war mittlerweile beendet und auch der STABO hatte während meiner Abwesenheit seine neue Wäsche bekommen.
Als wir dann das dreckige Zeug in Bettbezügen verstaut hatten, ging es zurück ins Versorgungsschapp. Dort empfing mich unser Versorgungsmeister Onkel Jonny mit den Worten: "Also Engler, so geht das auch nicht. Gestern Abend haben wir Portepees den STABO in der Messe fertiggemacht und heute gibst du ihm als Obergefreiter auch noch eine Breitseite." Peter Engler



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Ich schlief auf Zerstörer 1 am Heizerschott in der unteren Koje (3. Wache). Ganz oben schlief "Kalleby" (Dieter Eichberg - 1. Wache). Der hatte oft eigenartige Träume, die dann damit endeten, dass er samt Bettzeug aus seiner Koje flog und neben meiner Schlafstatt landete. Ihm machte das anscheinend nicht viel, denn er nahm dann ohne Kommentar sein Bettzeug und kletterte wieder in den 3. Stock. Auf Nachfrage nach seinem Befinden am nächsten Tag - er konnte sich an nichts erinnern.
Wer weiß, wo Kalleby -Dieter Eichberg- gelandet ist? Meine Recherchen waren bisher ohne Erfolg. Peter Budler



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Hallo Peter, ich kann dir nur versichern, dass Kalleby nicht mehr in der Koje lag, als ich sie am 1.4.1965 bezog. In den Spanten lag auch nichts. Okay, da und dort lag etwas Staub herum; das wird er aber nicht gewesen sein. Wo er abgeblieben war, kann ich dir nicht sagen. Heinz Albers



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Höhe der Azoren 1963. Es war Sonntag. Der Alte und der IO Hillmann hatten die gesamte Freiwache von Zerstörer 1 auf die Schanz befohlen. Singen war angesagt. Das hing, glaube ich, mit der Vatertags-Tour unserer jungen Leutnants zusammen, die an besagtem Tag mit Wurst, Brot und alkoholischen Getränken an der Schiffsreling längsmarschierten. Auf der Steuerbordseite unter dem Torpedosatz machten sie dann Rast um die Leckerreien zu vernaschen.
Dem Fußvolk stieß das sauer auf, denn laut Befehl des IO gab es keinen Alkohol auf der Überfahrt. Wir sollten uns akklimatisieren, denn die Amis bekamen seit Pearl Harbour auch keinen Alkohol mehr. Wir also auch nicht, wenn nicht im Wellentunnel einigen schlecht wurde...
Es erklangen in den Decks und an Oberdeck Lieder wie "Es gibt kein Bier auf Z 1, es gibt kein Bier..."
Wir trällerten so vor uns hin.
Der Alte und der IO standen auf der Plattform von Turm C und leiteten den "Seemannschor", als Friedel Gröne, der mit Schorsch Nippe Brückenwache fuhr, über Bordlautsprecher rief: “Backbord voraus ein Wal, er bläst, er bläst!“ Aus war es mit dem Gesang! Der ganze Haufen stürmte nach vorn. Die beiden Dirigenten standen arbeitslos herum. Einen Wal jedoch hatte niemand gesehen. Was Gröne und Nippe später auf der Brücke zu hören bekamen, ist mir nicht bekannt. Dieter Freund



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Eine kleine Ergänzung von mir bezüglich des Alkohols. Wenn wir Mannschaftsdienstgrade es auf Zerstörer 1 mit dem Saufen mal wieder übertrieben hatten, kam vom Kommandanten die Anweisung, dass pro Mann nur noch 3 Flaschen Bier je Tag und nur geöffnet abgegeben werden durften. Damit sollte verhindert werden, dass wir über mehrere Tage horteten und uns dann mal wieder richtig voll laufen ließen. Nach ca. 14 Tagen kehrten wir wieder zur Normalität zurück und es wurde wieder ungeöffnet und ohne Mengenbeschränkung verkauft.
Schnaps gab es eigentlich nur am Geburtstag mit schriftlicher Genehmigung (1 Flasche) zu kaufen.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass 1965 bei der ersten Treibstoffübernahme auf dem Rückweg von Amerika der Tankerkapitän der Frankenland zu uns rüberrief: "Kameraden, ich weiss, dass Ihr kein Bier und keine Zigaretten mehr habt. Wir haben genug Zigaretten und auch Original Pilsner Urquell für Euch dabei". Unser Alter ließ dann antworten: "Nein, danke, wir haben noch genug", obwohl das Bier alle war. Da wir aber Kriegsmarsch fuhren und Alkohol tabu war, störte uns das nicht sehr. Dafür mussten wir aber am anderen Tag nochmal Highline fahren, da wir keine Zigaretten mehr an Bord hatten. Und ohne Zigaretten, das sah auch der Alte ein, konnte man einen Großteil der Besatzung nicht ruhig halten.
Zum Ausgleich für das fehlende Bier gab es dann am letzten Abend vor Einlaufen Kiel 10 Flaschen Sekt pro Division zu kaufen. Da der Kantinenunteroffizier auch Versorger war, kamen auf 3 Versorgungsgasten 2 Flaschen und der Rest der Division hatte nur noch 8 Flaschen zur Verfügung.
Der tagelange Kriegsmarsch und der Biermangel sorgten dann auch dafür, dass ich beim Heimaturlaub schon nach 3 Gläsern Bier voll wie ein P...eimer war. Peter Engler



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Alle, die dabei gewesen sind, haben es immer gewusst: Die Lords haben in Ihrer Freizeit nicht nur Kirchen, Museen und Brauereien besichtigt. Es gab auch andere Örtlichkeiten, die teils eine magnetische Anziehungskraft ausübten, die Freudenhäuser. Deren Besuch blieb für die Kunden nicht immer ohne Folgen. Deshalb hatte die Marine auf Ihren Schiffen sogenannte "Sanierstationen" eingerichtet. Nach vollendeter Tat konnte sich der Lustmolch vom Sanitäter eine Wartung angedeihen lassen, die a) Geschlechtskrankheiten vermeiden half und die b) eine Wiederholung der Behandlung nicht erstrebenswert machte.
Nun zu der Folgebehandlung.
Für die Sanierung wurde während unserer Fahrt als Einzelschiff nach Teneriffa im Januar 1966 groß Reklame gemacht, und einer aus unserem Deck schien diese Behandlung direkt zu genießen. Er ging an jedem wachfreien Tag ins "Casa de la Puta" und ließ sich danach an Bord sanieren. Die Kameraden, die einmal eine Sanierung mitgemacht hatten, verzichteten gerne auf weitere Puffbesuche und hielten ihren Kameraden für einen Masochisten. Bei der Sanierung wurde "Sublimat" in die Harnröhre gespritzt um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen.
Da ich während der ganzen Fahrt von meiner Verlobten keine Post bekommen hatte (sie hatte die Anschrift falsch geschrieben), ging ich eines Abends aus lauter Wut mal wieder in den Puff und ließ mich anschließend auch sanieren. Einmal und nie wieder! Die Harnröhre brannte noch 3 Tage später beim Wasserlassen. Aber ich wollte ja auch nach Rückkehr nach Kiel nicht riskieren, keinen Heimaturlaub wegen einer Geschlechtskrankheit zu bekommen, hätte Erklärungsnotstand gehabt.
Als wir dann in Juni/Juli 66 wieder als Geschwader Richtung der Kanaren fuhren, war es sehr lustig. An Land fragten sich die Lords untereinander, wer denn Sanitätsschiff sei. Sobald es hieß "Z 1", waren sich die Lords einig, nicht in den Puff zu gehen, denn sie hatten von uns ja genug über die Sanierung gehört. Auf Z 2 und Z 3 sah man das mit der Sanierung nicht so eng. Und später wurde dann bekannt, daß auf Z 3 einer mit einem Tripper nach Kiel zurückgekehrt war. Peter Engler



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Es war mal wieder Backen und Banken auf Zerstörer 1.
Das Schiff machte krumm.
Ich ging durch die Cafeteria, die Lords saßen dichtgedrängt auf ihren Plätzen und aßen. Vor mir ging ein Smutje, elegant wie im conti Hansa, ein großes Tablett mit reichlich Rinderbraten tragend. Das Schiff holte über, der Smutje ebenfalls und der gesamte Rinderbraten rauschte an Deck. Ich bin auf einige Scheiben Braten getreten und konnte mein Gleichgewicht nicht mehr halten. Kurz vorm Eingang in die Essensausgabe standen auf einer Konsole Trinkmilchbehälter, an denen man sich seine Milch zapfen konnte. Die Konsole war an der Decke mit Ketten gesichert. Um nicht zu stürzen ergriff ich instinktiv eine Kette und das Chaos war perfekt. Die Milch ergoss sich in den an Deck liegenden Braten und ich saß in diesem Brei. Dem Smut und mir ist nichts passiert; wir haben uns nur auf den Hintern gesetzt. Einige Lords hielt es nicht mehr auf den Plätzen und sie versuchten an Oberdeck zu kommen. Der Rest brach in ein schallendes Gelächter aus. Dieter Freund



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Ich fuhr 1964 auf Zerstörer 1 den Geschützturm Turm B.
Unser Schmadding, Hauptbootsmann Schulz, war Sicherheitsbeobachter im Turm A. Turm B hatte Feuererlaubnis und das 5“ Rohr zeigte über Turm A. Die Mütze vom Schmadding war mitunter zu sehen.
Über das Sound-Power-Telefon sagte ich meinem Kameraden im Turm A, der Schulz solle den Kopf einziehen.
Nach dem Schuss sahen wir an Oberdeck weiße Flocken rumschweben. Ich dachte zuerst, dass es das Zeug in der Treibladung war, das ein Verkupfern des Rohrinneren verhindern sollte. Denkste! HBtsm Schulz hatte nur noch das Mützengestell auf dem Kopf, den Bezug hatte es zerlegt. Doch sonst ist ihm nichts passiert, eventuell haben ihm die Ohren kräftig gerauscht. Es war ein Bild für die Götter. Dieter Freund



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Der ganz normale Wahnsinn auf Z 1:

1962 hatte die Besatzung von Zerstörer 1 auf der Pier vor dem Arsenal Blutspendetag. Und da passierte Folgendes: Gefreiter Leitner (Schlebbe genannt) sagte, er brauche sich nach der Blutspende nicht zum Ruhen hinlegen. Und schon machte er die Schraube und lag flach. Leitner stank ständig vor Schweiß, zehn Meter gegen den Wind. Die ganze II. Division redete ihm gut zu, er solle sich waschen, aber er störte sich nicht daran. Leitner wurde geschnappt und anschließend in den Waschraum gebracht. Dort wurde er mit Seewasser und P 3 geschrubbt. Schlebbe hat sich danach immer gewaschen, denn er wollte so eine Rosskur nicht noch einmal über sich ergehen lassen.  
Munitions-Übernahme in Jägersberg. Da mussten nicht nur die Lords, sondern auch alle anderen mit zufassen. An Steuerbordseite, auf dem Niedergang zur Cafeteria, stand Maat Roßner. Die 5-Inch-Granate rutsche ihm aus der Hand direkt auf den Zünder. Er drehte mit ruhiger Hand die Schutzkappe über den Zünder und gab die Granate weiter.  
Matrose Helfer, MD 41, schaffte es jedes Mal, vor der Beförderung einen Bolzen zu drehen. Nach 2 1/2 Jahren ließer sich endlich zum Gefreiten befördern. Bei einer Feier im Heizerdeck futterte er immer Biergläser, nur den Glasboden ließ er übrig. 
Mit Obermaat Hau hatten wir Wochenendwache an Bord. Zuerst fingen wir in der Munitionslast unter dem Heizerdeck an, die Kühlung zu prüfen, und das zog sich bis zur Maschinen-Werkstatt hin. Dort beendeten wir unsere Wache. Anschließend mussten 40 leere Bierkästen an Oberdeck geschafft werden.  
Maat Alscher, Kessel 2, wollte zum Ernteeinsatz zu seinen Eltern fahren. Kaleu Bornemann sagte ihm, er solle erst einmal Zerstörer fahren lernen, dann könnte er auch zum Ernteeinsatz fahren. 
Maat Koch kam als neuer Fahrmaat in den Kesselraum 2. Kaleu Bornemann sagte ihm, er solle sich an den Obergefreiten Krause wenden, falls er nicht klar käme. Maat Koch aber war ein ganz Schlauer. Er versuchte, die Ölpumpe von elektrischem auf Dampfbetrieb umzuschalten, aber das Sicherheitsventil blies ab. Das war eine schöne Bescherung, der ganze Pumpenkeller an Steuerbordseite war vom Heizöl schwarz. Mt. Koch ließ sich bei den Reinigungsarbeiten nicht helfen.  
Maat Wacker verbrachte bei schwerer See seine Schlafzeiten nicht in seiner Koje im U-Deck, sondern im Kesselraum 1 auf der Putzwolle. Erwin Krause



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Mein 23. Geburtstag (31.07.1963) während der Rückreise von Norfolk (USA) in Thorshaven auf den Färöer.
Der Wachtmeister brachte mir eine Geburtstagskarte von meiner Frau aus Kiel. Er wunderte sich, dass ich Post bekam. Aber seit der Fahrenszeit auf der Schulfregatte Hipper hatte ich immer Post beim Einlaufen, und zwar über die Adresse C/O Harbormaster.
Die Heizer von Zerstörer 1 übernahmen  Brennstoff, und wir lungerten bei herrlichem Wetter an Oberdeck rum. In der Kombüse wurde Hammel aufgetaut. Einer der Lords kam an der Kombüse vorbei und sagte: "Hier stinkt es wie in der Abdeckerei!" Der Knochen-Karl (Proviantmeister) schnappte sich den Kameraden und ab zum IO Hillmann. Ein Tag Ausgangsverbot in Kiel war das Ergebnis.
Wir standen etwas später an der Reling, als der Schmut ein Stück von diesem Hammelfleisch einem Schäferhund auf der Pier in Thorshaven zuwarf. Gierig schnappte der Hund nach dem Fleisch und verschlang es, um es aber augenblicklich wieder herauszuwürgen. Jupp Zubeck sagte nur: "Der Lord bekommt Ausgangsverbot, der Köter kotzt es aus und wir bekommen das zu essen.“
Heiß gegessen schmeckte der Hammel trotzdem gut. Dieter Freund



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Jupp Zubeck sah genau so markant aus wie sein Benehmen es schon befürchten ließ. In der U-Messe hat er einmal - natürlich war ich schon wieder dabei - dem an der Messewand hängenden Bundespräsidenten Lübke den gefüllten Spinatteller mit Wucht mitten ins Gesicht geworfen. Allerdings kann ich mich nicht entsinnen, daß er jemals irgendeinem von uns körperlich etwas zuleide getan hätte. Und überhaupt der Gipfel: wohl um die dreißig Jahre später träumte ich in Plön wieder einmal ein wenig, als die Fußgängerampel auf Grün umsprang. Hinter mir schrie jemand mit Donnerhall in der Stimme: "Grüner wird's nich!" Ich drehte mich um und rief fast erleichtert: "Mensch, Zubeck!" So eine Type mitsamt Namen vergesse selbst ich nicht so schnell. Der Mensch war - wie sich dann herausstellte - nur als Tourist noch einmal nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Lothar Soll




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Es geschah Ostern 1963 an der Tirpitzmole. Zerstörer 1 lag an seinem Stammliegeplatz. Uns gegenüber lag dasTorpedofangboot "Thetis". Achteraus kam Z2 mit Schlepperhilfe an die Pier. Der auf der Brücke von Z2 machte sicher gerade seinen Führerschein; er fuhr nämlich der Thetis voll ins Heck und schnitt mit dem Rammsteven die Rudermaschine von Oberdeck bis unter die Wasserlinie voll auf, so dass ein Mann sich hinein stellen konnte. Z2 hatte nur leichte Lackschäden. So kann man einen Zerstörer auch stoppen. Wir auf Zerstörer 1 hatten so ein Erlebnis nie. Erwin Krause



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Wie das im Leben so spielt - als die "Thetis" so gnadenlos und an der Landseite der Tirpitzmole von Z 2 geradezu aufgeschlitzt wurde, hatte ich gerade Deckswache auf Zerstörer 1. Ich brauchte nur ein paar Schritte zu gehen, um mir den Schlamassel aus nächster Nähe anzusehen. Z 2 hatte nach meiner Erinnerung extra das Anlegen geübt, weil die auf dem Schiff von Fahrmanövern offenbar keine Ahnung hatten. Die "Thetis" hat sich an den Leinen fast gar nicht bewegt; der Zerstörer schnitt wie durch Butter einfach in das Achterschiff hinein. Es muß unmittelbar vorher geschehen sein, daß Z 2 bei einem vorhergehenden solchen Manöver mit dem Steuerbord-Anker ein auf der Tirpitzmole stehendes Ölfaß plattmachte. Auf hoher See hatte uns Z 2 bei Manövern im Verband ebenfalls mit einem der Anker eine Reling kaputtgefahren. Meines Wissens in den USA kam Z 2 - als wir wehrlos an der Pier lagen - bei einem Anlegemanöver dermaßen unglaublich forsch auf uns zugefahren, dass unser Wachhabender mit Panik in der Stimme über Bordsprech ausrief: "Achtung, Backbordseite (oder ggfs. Stb.) sofort räumen!!!" Da lag ich gerade in der Koje, und ich rannte sofort nach oben, um mir den Rest des Spektakels anzusehen. Das hatten die diesesmal aber erstaunlicherweise noch hinbekommen. Lothar Soll



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Lothar hat recht. Die jungen Offiziere übten Anlegemanöver an der Pier. Einer hatte auch schon einige Leuchten umgeknickt. Kann mich gut daran erinnern. Der Stb Anker war klar zum Fallen. Ich sagte noch zu meinem Gasten: "Pass auf, gleich kracht es." Und schon war es passiert. Die Thetis soff über den Achtersteven ab, die Seile hielten sie jedoch. Am nächsten Tag hatte die Besatzung ein großes Schild mit der Aufschrift. "Achtung hier beginnt das Heck der Thetis!" aufgestellt. Dieter Freund



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Torpedoschießen in der Ostsee . Unsere Torpedomixer waren beim Übernehmen der Aale in Flensburg sehr schnell; es dauerte nur 20 Minuten und schon konnten wir wieder ablegen.
Das war eben die Besatzung von Zerstörer 1.
Bei Dienstschluss hatten wir an der Pier in Flensburg festgemacht und gingen zur Freizeit über. An unserer Backbordseite schob sich Zerstörer 2 an uns ran, um bei uns anzulegen. Aber dieser Schiffsführer übte wohl noch. Z 2 hob mit seinem Steuerbordanker die Splitterwandung an Geschütz 32 (Zwillings-3-Inch für die Luftabwehr) an und machte Schrott aus ihr. Nur unser Schreier (=Lautsprecher) hatte diese Karambolage überstanden. Erwin Krause



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Bei unserem Aufenthalt mit Zerstörer 1 in Boston wurde der USN shore patrol je ein Mensch der Federal German Navy zugeteilt. So standen wir zu Dritt, als "Patroullierer" auf der Pier und wurden von den Streifen eingefangen. Ein etwas einfältig aussehender petty officer erster oder zweiter Klasse musterte uns, und wir wurden aufgefordert die hochgekrempelten Hosenbeine wieder über die Seestiefel herabzulassen. Uns hatte ja niemand gesagt, daß man sowas in "erster Geige" absolviert.
Wir fuhren dann in so einer Art grüner Minna in die City. Dort schauten wir in die einschlägigen Lokalitäten, aber zu meiner Verwunderung sah man kaum Uniformierte. Die Erleuchtung kam, als wir in ein Gebäude gingen und hier einen"locker room" kontrollierten. Hier konnten sich die Uniformträger einen Spind mieten und dann "zivil" umkleiden.
Wieder in der "grünen Minna" quarckte das Funkerät los, wir fuhren um ein paar Ecken und auf eine schöne Prügelei zwischen einigen Cops und Besoffenen zu. Schnell siegte die Obrigkeit, drei oder vier Randalierer landeten in der vergitterten "Fahrgastzelle". Ich wurde vom Fahrer aufgefordert eine herabhängende Leine zu ziehen um damit eine Art Klingel ablaufen zu lassen. Während der gesamten, zu Glück nur kurzen, Fahrt zum nächsten Polizeirevier wurde hinter uns kräftig drauflosgedroschen.
Nachdem das Empfangskomitee ohne weitere Information abzuwarten fröhlich weiterdrosch, erklärte mein "Streifenführer" er müsse jetzt einen "arrest report" schreiben, ich solle mit reinkommen (in die Polizeistation!). Hier holte er sich einen Vordruck und begann mit einem Bleistift diesen auszufüllen. Er kam nicht sehr weit, schaute mich treuherzig an und fragte: "How do you spell prisoner?" Ich habe ihm das dann "gespellt" und gemeinsam haben wir dem soundsovielten Artikel der Verfassung Genüge getan. Klaus Reher



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