Döneken Nr. 21 - 30



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Ich selbst hab jahrelang nach einem Mittagsschläfchen gern in den neben der Kombüse stehenden Brotkorb gegriffen und das die Zähne erfrischende trockene Brot geknabbert. Diese Gewohnheit endete jäh und unwiderruflich, als ich eines "guten" Tages in dem Korb eine Kakerlake entdeckte. Lothar Soll



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(Datum und Anlass des Auslaufens sind mir leider entfallen).
Es war an einem Montag und wir sollten um 9.00 Uhr auslaufen. Der SE 11 Klaus-Peter Lemcke (richtige Schreibweise?) hatte langes Wochenende gehabt und kam mit der Taxe vom Bahnhof angefahren. Als er in Kiel am Hindenburgufer entlang fuhr, sah er, dass Z 1 ablegte obwohl es noch keine 9.00 Uhr war. Im Hafen angekommen sauste er sofort zum Geschwaderstab und bat um Uhrenvergleich und einen Blick aus dem Fenster, damit die Anwesenden sich vom Auslaufen Z 1 überzeugen konnten. Vom Stab wurde dann sofort in Kiel-Friedrichsort angerufen. Als wir querab waren kam der Signalspruch "Obergefreiter Lemcke ist im Stabsgebäude". Als der Kommandant dies erfuhr sagte er nur "Ohne meinen Gefechtsrudergänger fahre ich nicht raus". Und so drehten wir in der Förde und fuhren zurück bis vor die Hafeneinfahrt. Pit wurde dann mit einer Barkasse an Bord gebracht. Der Barkassenführer kam aber nicht sofort längsseits zum Übersetzen, sondern drehte mit dem stehenden Pit eine Ehrenrunde um den Dampfer, wobei Pit lässig unter dem Gejohle seiner Kumpels wie Lisbeth von England grüßte, während der Wachtmeister, Oberbootsmann Anders, auf Oberdeck hinterherlief und immer wieder schrie "Lemcke, kommen Sie sofort an Bord". Aber was wollte Pit machen, er musste warten, bis der Barkassenführer längsseits fuhr. Wer allerdings das Schlitzohr kannte, traute ihm auch zu, dass er die Umrundung mit dem Barkassenführer abgesprochen hatte. Peter Engler



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Gesellschaftlicher Höhepunkt der Vormittagsstunden war auf Zerstörer 1 neben dem Reinschiffmachen das Potackendrehen (Kartoffelschälen), eine Teildisziplin der täglich neu eingeteilten Backschafter. Der Smut stellte dafür pro Mahlzeit etwa 1.000 Kartoffeln zu Verfügung. Oft wurden sie nicht geschält, sondern eher geschnitzt.
Zwei weitere Backschafter bekamen das Vergnügen, das Geschirr von 250 Menschen abzuwaschen. Dieses geschah in einem kleinen Schapp, der mittels einer Durchreiche mit der Cafeteria verbunden war. Unterhalb der Durchreiche befand sich ein Gitter, auf dem die Tabletts abgeschlagen werden konnten. Die Essensreste fielen dann durch das Gitter in eine Tonne. So weit, so schlecht. Irgendwann nämlich war diese Tonne voll, und die beiden Spülis mussten das etwa einen Zentner wiegende Behältnis die engen und steilen Niedergänge hinauf schleppen. Der Mann oben zog nach Leibeskräften, der Mann unten schob und versuchte unter ständigen Ermahnungen an den "Zieher" für eine waagerechte Position der Tonne zu sorgen, damit die Essensreste ihm nicht in die Ärmel und über den Kopf schwappten. An Tagen mit Seegang war es gar nicht so einfach, für sich und die Tonne eine harmonische Balance herzustellen. Der Inhalt der Tonne wurde am Heck ins Meer entsorgt. In dem Spülschapp bahnte sich zwischenzeitlich eine Katastrophe an. Die Männer bemerkten sofort, wenn das Schapp verlassen war und manche warteten förmlich darauf. Dann wurden die Tabletts ungeleert in den Raum geworfen, und die Essensreste landeten an den Wänden und an der Decke. Die Spülis hatten dann reichlich damit zu tun, diese Schweinerei zu beseitigen. Heinz Albers



23a
Als wir im November 64 mit Zerstörer 1 auf der Fahrt zu den Kanaren den Nord-Ostsee-Kanal verließen und elbabwärts in die Nordsee liefen, begrüßte uns diese sofort mit schwerem Wetter. An diesem Tage hatte ich zu allem Unglück noch Versorgungsgast vom Dienst und mir kam die Ehre zuteil, als 2. Mann aus dem Funktionärsdeck in die Spülmaschine zu dürfen, da die Heizer Überhitzer fuhren und ihren Spüli dementsprechend abgezogen hatten. Die Aufforderung in die Spülmaschine zu kommen erhielt ich gegen 10 Uhr. Ich machte mich sofort auf den Weg dorthin. Als ich dort ankam, war alles blitzeblank und die beiden anderen Spülis waren nicht zu sehen. Um mich zu überzeugen, dass auch die Spülbecken sauber waren, schaute ich dort hinein und prompt fiel mir das Essen aus dem Gesicht. Die beiden Kameraden hatten nämlich eine schöne große Speckschwarte dort deponiert und kamen lachend zum Vorschein, als sie hörten wie ich mich übergab. Eine Speckschwarte ist ein Brechreiz auslösendes Mittel. Funktioniert auf jeden Fall an Bord bei Seegang. Ich besorgte mir danach vom Smut eine Packung Zwieback, legte mich in die Koje und war dann mittags wieder fit, um diese wahrlich nicht angenehme Arbeit erledigen zu können. Peter Engler



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Wir, die Newcomer von der Marine-Fernmeldeschule, kamen im April 1964 als unbeleckte Gefreite an Bord von Z1. Alle wurden gleich in Wachen eingeteilt. Hartmut Lüdtke war der 1. Wache zugeteilt, und sein Pech war, dass diese gleich am nächsten Tag an der Reihe war, für über 200 Seemänner das Geschirr abzuwaschen. Hartmut wurde also zu seinem "Unglück" sofort für den Abwasch an der Spülmaschine abgeteilt (hinter der Essenausgabe bei der Cafeteria), worüber er ziemlich sauer war.
Man sah Hartmut dann später sichtlich ermattet wieder mit der Bemerkung, dass die ganze Sache eine große Sch... sei.
Aber damit hatte er seinen Bordnamen "Spüli" weg. Werner Kappernagel



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Bei der Ankunft hat's geregnet,
doch die Reise war gesegnet,
denn ich dachte viel zu viel
an das schöne Schiff in Kiel.

Stolz trug ich bald mein Gepäck
übers nasse Oberdeck.
Außer meiner Freud' im Herzen
verspürte ich bald arge Schmerzen,

denn härter als ich allemal
war der Ami-Schiffbaustahl.
Die Amis hatten keine Ahnung
von des Menschen Körperplanung!

Durch Türen wollte ich marschieren,
die große Eisenhaken zieren.
Auch andere der neuen Knaben
Routine schienen nicht zu haben.

Auch diese liefen dann sogleich
in den Sanitätsbereich,
um die Beulen zu behandeln,
die den Kopf so sehr verschandeln.
Lothar Soll



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Junge Leutnants hatten im Mannschafts-Heizerdeck ja dermaßen wenig zu suchen, dass sich einer von denen wegen der Gefahr umherfliegender Seestiefel lediglich im allerschlimmsten Falle dort hinein traute. Ein solcher Jungfuchs von Offizier war bei Anwesenheit von Heizern sogar im Freien gefährdet, und das ging so: Eines Tags wurde die wachfreie Besatzung von einem recht urtümlich aussehenden Leutnant über die Tirpitzmole geführt. Es muss ein schwarzfüßiger Mannschaftsdienstgrad gewesen sein, der von hinten in die gerade schweigsame Menge hineinrief: "Nun gebt doch schon dem Gorilla seine Banane!" Lothar Soll



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Im Verlauf der Kieler Woche war es der Muschkoten-Besatzung - also auch uns einfachen Unteroffizieren - untersagt, während Empfängen an Deck zu gehen bzw. das Schiff zu verlassen oder zu betreten. Nach Ende eines solchen Empfangs durften wir also wieder an Oberdeck. Als einer von uns aus dem Luk kletterte, bemerkte ein Leutnant: "Oh, die Ratten kommen aus ihren Löchern!" Ob dem Herrn hinterher wegen dieser Aussage irgendetwas passierte ist nicht überliefert. Lothar Soll



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"Gott schütze uns vor Wellen und Wind und Leuten die Fletcher gefahren sind."
(Diesen Spruch bekam ich in den 70ern zu hören, als ein Bootsmann von einem Versorgungsschiff mitbekam, dass ich Fletcher gefahren war.) Peter Engler



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Während unseres Aufenthalts in Santa Cruz de Tenerife im Januar 1966 wurde die Besichtigung einer Brauerei ("Tropical") organisiert. Der Bewerberkreis bestand aus nahezu der kompletten Besatzung, er musste aber auf Buskapazität reduziert werden. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Teilnehmer ausgesucht wurden; rein zufällig wurde der überwiegende Teil aus dem Kreis der Ölfüße gestellt. Fast jeder hatte schon einmal in Deutschland an einer Brauereibesichtigung teilgenommen und schätzte daher das ungeschriebene Gesetz, sich in Begleitung wohlbelegter Häppchen zum Nulltarif so richtig volllaufen lassen zu können. Dieses in Erinnerung und in Erwartung überstanden wir die Führung durch die Betriebsanlagen noch mit Anstand. Verwirrung kam erst auf, als beim gemütlichen Teil der Imbiss vermisst wurde und jeder lediglich zwei Flaschen Bier á 0,3 l vorgesetzt bekam. Das schmiss alle Erinnerungswerte über den Haufen. Die Heizer fingen an zu krakeelen, hauten auf die Tische und pochten auf das althergebrachte deutsche Brauereibesichtigungsrecht, wonach uns eindeutig mehr Bier zustand. Ihre Körpersprache ließ jede Spur von Diplomatie vermissen. Sie wurden so massiv, dass sich der verängstigte deutsche Braumeister gezwungen sah, jedem ein weiteres Fläschchen von diesem Kujambelwasser zu spendieren. Heinz Albers



29a

Als unser Besuch auf Teneriffa im Januar 1966 zu Ende ging erhielten die Heizer den Befehl, keinen Heizergruß zu blasen. Normalerweise wurde immer beim Verlassen eines fremden Hafens der Heizergruß geblasen, aber meistens machten dies Z 2 oder Z 3. Da wir auf dieser Fahrt jedoch als Einzelschiff unterwegs waren, wollten unsere Bilgenkrebse diese liebgewonnene Tradition auch beibehalten.
Aber irgendein Heizer musste wohl Probleme mit den Ohren gehabt haben , denn als wir ablegten zog eine schöne schwarze Ölwolke über Santa Cruz, und die weiße Uniform des auf der Pier befindlichen deutschen Marineattachés hatte den Grauschleier bekommen. Vielleicht war das auch die Rache unserer Ölfüße für die unwürdige Brauereibesichtigung. Ob es nun vorher schon geplant war oder ob es zur Strafe war, kaum hatten wir den Hafen verlassen und die Paradeuniform gegen das normale Arbeitszeug umgetauscht wurde Kriegsmarsch befohlen.
Zerstörer 3: Heizergruß "Heizergruß" von Z 3




29b
Nachdem wir die Herstellungsanlagen besichtigt hatten führte uns der deutsche Braumeister auch in die Lagerräume der Rohstoffe. Als wir zuletzt im Raum mit den Säcken voller Gerste waren fragte doch unser Wachtmeister, wo denn das Malz sei. Hierauf griff der Braumeister in einen offenen Sack und hielt dem Wachtmeister eine Handvoll Gerstenkörner vor die Augen. Scheinbar hatte Oberbootsmann Anders noch nie was von "Gerstenkaltschale" gehört. Peter Engler



30 Im Juni 1966 wurde das 1. Zerstörergeschwader mal wieder Richtung der Kanarischen Inseln geschickt. Dabei liefen wir auch den Hafen von Cadiz an. Hier wurden uns dann 2 Ausflugsmöglichkeiten angeboten: 1. Besuch von Sevilla und 2. Besuch der Sherry-Brennerei Pedro Domecq in Jerez de La Frontera. Die Kulturbeflissenen fuhren also nach Sevilla, während die Neugierigen (am Alkohol interessierten Kameraden) nach Jerez fuhren. In den riesigen Kellerräumen wurden uns dann Fässer mit Weinen der unterschiedlichsten Jahrgänge gezeigt. Imposant war ein unheimlich großes Fass in dem ein schon uralter Sherry lagerte. Je nachdem welche Menge dieses Sherrys man dem neuen Sherry zufügte, erhielt dieser einen anderen Geschmack. Nach der Besichtigung wurden wir in einen Saal geführt, wo auf kleinen Tischchen jeweils 3 Flaschen Sherry standen, die wir trinken konnten. Diese Flaschen hatten verschiedenfarbiges Stanniol um den Flaschenhals, um zu kennzeichnen, dass es unterschiedliche Sorten waren. Im Gegensatz zur Brauerei in Teneriffa wurden hier die Flaschen, nachdem sie leer waren, ohne Kommentar gegen volle ausgetauscht. Als wir dann die Rückreise antraten, hatten einige schon einen leicht ondulierten Gang. Zur allgemeinen Freude hielt der Bus unterwegs noch an einer Bodega an, wo wir etliche Obstlikörsorten probieren konnten. Zurück in Cadiz schaffte es dann nur noch ein kleiner Teil nach Wechseln der Persenning noch in die Stadt zu gehen. Dreimal darf geraten werden, wer dabei war: Peter Engler

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