Döneken Nr. 111 - 120




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Ich bin am 12. Januar 1962 von der TMS 2 Bremerhaven nach Kiel auf Zerstörer 1 versetzt worden. Am späten Abend traf ich in Kiel ein und bin mit der Tram nach Kiel-Garden gefahren. So kam ich an Bord von Zerstörer 1 und begann meinen Dienst mit einer Werfliegezeit bei der HDW.
Untergebracht wurden wir auf dem ehemaligen Hochsee-Minensucher "Seeschlange", das als Wohnboot umgebaut worden war. Die Heizer wohnten in einem aufgesetzten Wohncontainer. Wir hatten auch einige Kameraden an Bord, die auf der Seeschlange gefahren waren.
An einem Wochenende spielten wir Heizer "U-Boot"; wir waren schon ziemlich beschlaucht. Die Heizung wurde auf volle Pulle geschaltet. Um den Mief eines U-Bootes realitätsnah herzustellen schiss einer der Kameraden in eine Plastiktüte.
Nach dem Ende der Werftzeit hatten wir unsere Werftprobefahrt und danach die nötigen Einstellungen auf der Idiotenwiese.
Ende April 1962 ging meine erste Seefahrt durch den Skagerrak. Mein Fahrmaat sagte mir: "Kotzt du in die Bilge, dann musst du diese saubermachen." Weil mir der Mageninhalt bis zur Unterlippe stand, habe ich tapfer alles durchgekaut und wieder runtergeschluckt.
Drei Tage lagen wir im Sognefjord (Norwegen). Viele Kameraden hatten sich im Schnee einen Sonnenbrand geholt. Die Daten für die weiteren Anlaufposten kann ich nicht mehr nennen. Danach fuhren wir Manöver in der Nordsee um Helgoland, Liegeplatz war Cuxhaven. Von Cuxhaven ging es nach Kiel zurück. Anschliessend liefen wir ein Wochenende nach Lübeck zu einem Tag der Offenen Tür. Zurück in Kiel hatten wir den Auftrag, am französichen Flottenbesuch in Hamburg teilzunehmen. Eine französische Fregatte und der Flugzeugträger Clemenceau lagen an der Pier.
Im Lokal "Zillertal" trafen wir auf die Lords der Franzosen. Es gab ein kräftiges Gelage. Wenn wir im September nach Brest zum Manöver kämen, würden sie sich revanchieren, versprachen sie uns.
Ein ganze Woche früher erreichten den Marinehafen von Brest. Im Hafen bekamen wir keinen Dampfanschluß, nur einen alten Schlepper. Auf dem haben wir den Kessel mit Kohle getrimmt, um die Dampfversorgung für Z 1 herzustellen.
Beim Landgang und der Besichtigung der Stadt kam der Durst. In Brest trainierten wir dann mit Rotwein -  wegen der Revanche. Die Jungs konnten nichts vertragen. Bei dem Nato-Manöver mit den Franzosen, fiel um 16.00 Uhr der Anker.
So um Buß-  und Bettag herum ging die Fahrt weiter durch die Irische See, wo wir kräftig einen vor den Arsch bekamen. Viele Kameraden lagen wegen der Seekrankheit in der Koje. Einen Tag bei der stürmischen See hatte ich mit einem SE 11er aus der 1. Division und einem Funktionär aus der 3. Division in der Cafeteria Spülmaschinendienst. Zum Frühstück waren wir zu Dritt, zum Mittagessen standen der Funktionär und ich zur Verfügung. Beim Abendbrot hatte ich schließlich das Reich als Spüli ganz für mich alleine.
In Norwegen wurden die Seeschäden wieder behoben, nach einigen Tagen ging es durch den Skagerrak nach Kiel an die Tirpitzmole.
Erwin Krause



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Zum 1. Oktober 1966 wurde die Seeziege Klaus-Peter Lembcke zur SDM und ich von Zerstörer 1 zum 2. Schnellbootgeschwader in Schlicktown (Wilhelmshaven) versetzt. Vor dem und am Versetzungstag war striktes Alkoholverbot, aber was hatte der alte Fletcheradel damit zu tun? Als wir beide also schön angetüdelt an Oberdeck auf unser Fahrzeug, das uns zum Bahnhof bringen sollte, warteten, sahen wir dass andere Kameraden, die auch versetzt wurden, ein Bild mit der Widmung vom Alten zur Erinnerung an die Dienstzeit auf Z 1 hatten. Pit und ich hatten aber keines bekommen, und so musste ich zum letzten Mal als Vertrauensmann tätig werden. Ich latschte zum IO um ihn zu fragen, warum wir nach so langer Zeit auf Z 1 kein Bild bekommen hatten. Er war sehr erstaunt und händigte mir dann für Pit und mich ein Bild aus. Danach ging es dann zum Kieler Bahnhof. In Neumünster mussten wir umsteigen. In der dortigen Bahnhofskneipe hatten wir unseren gewaltigen Nachdurst gestillt und noch etliche Bierdosen als Marschverpflegung im BuKo verstaut mitgenommen. Langer Rede kurzer Sinn, wir kamen schön bedröhnt in Schlicktown an.
Da ich mit unserem Proviantmeister von Zerstörer 1, Bootsmann Dietrich, sehr gut klar kam, hatte ich ihn kurz vor meiner Versetzung zum 2. S-G. gefragt, ob ich mich in Verpflegung (hauptsächlich Abendessen) melden könnte, wenn ich wüsste dass Z 1 in Schlicktown wäre. Er sagte mir darauf hin: "Engler, Du bist jederzeit herzlich an Bord und in der Cafeteria willkommen."
Nachdem ich also eines Tages erfuhr dass Z 1 im Arsenal liegt, machte ich mich nach Dienstschluss auf den Weg. Als ich mich dem Dampfer näherte, sah ich drei Bootsleute unserer Division in Höhe der Kombüse an der Reling lehnen, die mich sehr herzlich begrüßten: "Engler, du lebst ja immer noch! Und wir hatten schon gehofft, sie hätten dich erschossen. Willst Du etwa den Kameraden alles wegfressen?" Da ich die Bootsleute ja kannte und wusste, wie sie es meinten, wies ich diese Unterstellung zurück und sagte, ich wolle nur meine alten Kameraden besuchen. Danach ging ich an Bord und direkt auf die Steuerbordseite um nachzusehen, ob noch jemand im Versorgungsschapp war. War aber keiner, und so ging ich vor zur Cafeteria. Dabei kam mir der Küchenmaat entgegen und meinte , ob ich mich durchfuttern wollte. Auch dies verneinte ich und sagte, dass ich nur meine Kameraden besuchen wollte. Er lachte nur, und ich ging weiter zur Cafeteria, um endlich mal wieder was Vernünftiges zu essen zu bekommen. In der Cafeteria wurde ich mit großem Hallo begrüßt. Dort konnte mich mal wieder satt essen (Scheiß Landfraß). Nach dem Essen und einem Pläuschchen mit den alten Kameraden wollte ich den Dampfer wieder verlassen. Dabei kam mir erneut der Küchenmaat entgegen und drückte mir ein kleines Päckchen in die Hand mit den Worten: "Tu weg, ist ein halbes Pfund Butter drin". Darüber war ich sehr froh, denn nach den 2 fetten Jahren auf Z 1 war die Landkost beim 2. S-G. doch eher dürftig.
Bei einem weiteren Besuch an Bord ging ich wieder zum Versorgungsschapp, in dem aber nur der Provi saß. Nach der Begrüßung sagte er zu mir: "Engler, geh gleich mal in die Kombüse zum KvD, heute Mittag sind jede Menge Koteletts übriggeblieben. Er soll Dir mal einige einpacken". Dies ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und nachdem ich in der Cafeteria wieder gut gespeist hatte ging ich zur Kombüse, wo mir der KvD dann auch etliche Koteletts einpackte.
Da ich beim 2. S-G. natürlich vom guten Bordessen auf Z 1 schwärmte, fragte mich eines Tages ein Versorger (als Wehrpflichtiger hatte er kaum eine Chance an Bord zu kommen), ob ich ihn mal mitnehmen würde. Ich sagte ihm zu nach dem Motto "Wo einer satt wird, werden auch zwei satt" und nahm ihn bei meinem nächsten Besuch mit auf Z 1. Er langte richtig zu und als er sein Tablett leer hatte, fragte ich ihn, ob er noch mehr wollte. Er bejahte dies und so sagte ich ihm, dass er nochmal zur Essensausgabe gehen solle. Als er dann wiederkam hatte er sein Tablett erneut gefüllt und bewegte sich aber so komisch. Ich fragte ihn daher, was mit ihm los sei, er bewege sich so seltsam und er erzählte mir dann folgendes: "Als ich an der Essensausgabe war fragte mich der Smut "Bist Du nicht mit Engler gekommen?" Nachdem ich dies bestätigte wollte er wissen, ob ich auch ein paar hartgekochte Eier haben wollte. Ich sagte ja und jetzt habe ich die Kolanitaschen voll damit".
Nach dem großen Stellenwechsel im April 1967 war Z 1 mal wieder im Arsenal und ich nutzte dies natürlich, um wieder richtiges Essen zu bekommen. Also saß ich in Zivil in der Cafeteria und einer von den Neulingen moserte rum: "Was will der denn hier, der gehört doch gar nicht auf den Dampfer". Daraufhin musste er sich von einem Heizer folgendes anhören: "Engler hat hier mehr Existenzberechtigung als Du. Er war hier 2 Jahre als Versorger an Bord und immer wenn wir Probleme mit dreckigen Handtüchern oder Kojenzeug hatten, hat er uns außer der Reihe geholfen. Außerdem konnten wir von ihm immer Papier und Kugelschreiber bekommen. Also halt Deine Klappe".
Eines morgens nach dem Wecken schaute einer beim 2. S-G. aus dem Fenster und sagte: "Draußen liegt ein Dampfer" (Das Stabsgebäude vom 2. S-G. lag direkt an einem Hafenbecken). Deshalb schaute ich auch aus dem Fenster und sah meine geliebte "Wilde Sau der Ostsee" direkt vor mir. Zu den Kameraden sagte ich nur: "Heute bin sogar zum Frühstück aus der Verpflegung" und habe mich, während Z 1 dort lag, nur auf dem Dampfer ernährt.
Ein anderes Mal erfuhr ich wieder, dass Z 1 im Arsenal läge, hatte aber an diesem Tage aus irgendeinem Grunde keine Lust an Bord zu gehen. Abends dann klopfte es an die Stubentür und ein Kamerad von Z 1 trat ein. Da ich den während einiger vorhergehenden Besuche nicht gesehen hatte, schien er mir doch reichlich an Gewicht zugelegt zu haben, und ich sagte zu ihm: "Du bist aber ganz schön dick geworden", worauf er mir sagte: "Nun warte doch erst mal ab, bis ich alles ausgepackt habe, was mir die Smuts für Dich  mitgegeben haben". Danach sah er in seinem Kolani wieder normal aus und auf meinem Tisch stapelten sich dafür Konservendosen mit Fisch und Wurst, Frischwurst, ein Schinkenstück, Butter und sonstige Leckereien.
Also, immer wenn Z 1 in Schlicktown war, war es für mich wie ein Galadinner und brachte mich zu der Überzeugung, dass ich wohl doch kein schlechter Versorger und Kamerad gewesen sein muss.
Ich erhielt aber auch die traurige Nachricht, dass sich unser Schmadding im Arsenal in unserer Vorpiek erhängt hatte. Peter Engler



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1964 im Dezember. Nach der U-Jagdübung in der Biscaya bekamen die Besatzungen der drei Zerstörer noch einen Leckerbissen. Kurs Las Palmas hieß es.
Wir lagen vor Anker. Das Schiff wurde landfein gemacht. Wir hingen bei Sommerwetter auf der Back herum. Schorsch Nippe hatte Ankerwache. Von oben kam über Lautsprecher: "OMaat Zubeck!" Von der Back: "OMaat Zubeck hört!"  "Was macht der Anker?"  Wir schauten über die Reling und sahen den Anker auf dem Grund liegen. OMaat Zubeck an Brücke. "Der Anker liegt auf dem Grund und bläht sich!" Von der Brücke kam: "OMaat Zubeck auf die Brücke!" Jupp bekam vom WO eine Zigarre. Dieter Freund



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Ende August 1966 war mal wieder Manöverzeit in der Ostsee angesagt. Leider zeigte sich diese tagelang von ihrer unangenehmen Seite und schaukelte uns ganz schön durcheinander. Dies führte dazu, dass sich der Tankerkommandant weigerte, mit uns Ölübernahme zu machen, da er Angst um sein Schiff hatte. Daher mußten wir, als unser Ölvorrat bei 40 % angekommen war, vor Dänemarks Küste ankern (40% war der Mindestballast) und auf besseres Wetter hoffen. Zu allem Unglück erreichte uns in dieser Situation ein Hilferuf einer absaufenden Autofähre (6. September 66). Unsere Bilgenkrebse waren darüber nicht sehr erfreut, mussten sie doch den restlichen Treibstoff in einige Tanks umpumpen und die leeren Tanks mit Seewasser füllen um wieder genug Ballast zu haben. Was die Bilgenkrebse so sauer machte war, dass sie anschließend die Tanks wieder reinigen mussten um neuen Treibstoff einzufüllen. Nachdem wir genug Ballast hatten fuhren wir zur Unglücksstelle, konnten aber nicht mehr helfen, da andere Schiffe vor uns dort waren. Also ging es zurück zum Ankerplatz und es wurde auf besseres Wetter gewartet. In dieser Wartezeit konnten die Schwarzfüße das Seewasser wieder rauspumpen und ihre Reinigungsarbeiten in den Tanks erledigen. Peter Engler



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Es muss im Mai/Juni 1966 gewesen sein als Z 1 sich im Marinarsenal Kiel befand. Die halbe Besatzung hatte Urlaub und der Rest war in Steuerbord- und Backbordwache eingeteilt, was heißt, daß am Wochenende nur ein Viertel der Besatzung an Bord war. Sonntags hatte ich mal wieder Spüli. Als nach dem mittäglichen Backen und Banken alles sauber war fragte mich ein Smut, ob ich noch einige Steaks haben wollte. Diese Frage hörte ich gerne und so latschte ich anschließend mit 6 Steaks ins Deck und verdrückte diese so im Laufe des Nachmittags. Montagmorgen nach Dienstbeginn kam ein fluchender Proviantmeister ins Versorgungschapp und auf meine Frage, was denn los sei sagte er mir: "Es war nur ca. ein Viertel der Besatzung an Bord und meine Smuts haben soviel Steaks gebraten als wäre die Besatzung komplett." Dass ich mich auch an der Vernichtung dieser Fleischmenge beteiligt hatte verschwieg ich ihm großzügig. Peter Engler



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Es war mal wieder "Alle Mann auf Gefechtsstation". Wir rauschten aus dem U-Deck nach Oben. Als wir am letzten Luk an Stb-Seite angelang waren, hatten die Sicherungsleute das große Luk schon verriegelt, sodass nur noch das Mannluk offen war. Hänschen Drilling war ja ein wenig pummelig und blieb prompt im Mannloch stecken. Er kam weder vor noch zurück. Ich stand schon oben und hörte Hänschen jubeln: "Die fassen mich unsittlich an." Mit vereinten Kräften befreiten wir Hänschen aus der mißligen Lage. Dieter Freund



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"Highline-Manöver" 1964 auf Zerstörer 1.
Auf Turm "B" hatten die Mannen unserer Seemännischen Nr. 1 ( HBtsm Schulz) den Dreibock montiert. Mit dem Leinenschießgewehr wurde eine dünne Leine, daran eine stärkere usw. auf das andere Schiff befördert, bis die Verbindung stand. Dann kam der Bootsmannstuhl, der hin und her gezogen wurde. Der Schmadding muss wohl beim Ankleiden Probleme gehabt haben. Man trug ja bei Manövern grundsätzlich Schwimmwesten, er hatte seine Schwimmweste unter dem Parka. Beim Werkeln mit seinen Lords muß der Vogel sich ausgelöst haben. Ich hörte seine Jungs nur rufen: "Er bläht sich!" War nicht ganz einfach ihn aus der mißlichen Lage zu befreien. Das Gelächter war auf unserer Seite. Dieter Freund



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Irgendwann um 1961/62 lagen wir drei Kieler Fletcher am Steubenhöft in Cuxhaven. Abends waren wir mit etlichen Leuten in eine der Hafenkneipen eingekehrt, und ich war dann allein auf Z1 zurückgekehrt. Auf der Stelling hörte ich, daß inzwischen NATO-Alarm ausgegeben war und wir daher am späten Abend mit allen Zerstörern auslaufen würden. Ich bin dann sofort zurück in die Kneipe und habe den Jungs Bescheid gesagt. Wir blieben dann alle in der Kneipe und sahen später aus sicherer Entfernung den auslaufenden Schiffen zu. Ein anderes Schiff brachte uns noch in der Nacht auf See auf Z1 zurück. Am nächsten Tag hieß es über Bordsprech: Maat Soll zum Ersten Offizier auf die Kammer! Ich ja ahnungslos zu ihm, mußte ich ja öfter. Der IO fragte mich, was ich denn da angestellt hätte!? Tja, der Schmadding, den ich sowieso nicht mochte, hatte mich zwischen meinen beiden Kneipenbesuchen wieder von Bord verschwinden sehen und mich beim IO verpfiffen. Das gab wg. unerlaubten Entfernens von der Truppe die erste von zwei originellen Diszis, die ich mir für meine Bordzeit vorgenommen hatte und die ich in meiner Schreibstube selbst in die Maschine tippen durfte. Meinen Kumpels war natürlich nix passiert, denn ich hatte von daher logischerweise dichtgehalten. Lothar Soll



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Wir drei Kieler Fletcher lagen im Sommer 1963 in Norfolk/Va.; direkt vor uns ein US-Zerstörer mit dessen Schanz tief unter unserem Vorschiff. In Schwarz-Weiß lief vor unseren wohl schon ein wenig vom herrlichen US-Bier "Budweiser" geschwängerten Augen einer von den absolut dämlichen Deutschen-doofen-Nazi-Trick-US-Filmen. Ungeachtet aller wirklich großartigen Gastfreundschaft von seiten der US-Navy waren wir sauer - also warf ich eine leere Bierdose mitten in die Menge der Sailors. Wie das so ist, wenn ein solcher Idiot erst einmal anfängt - es folgte aus unserer Mitte eine volle Bierdose, dann von irgendwo eine leere und kurz danach eine volle Bierflasche. Das Zeugs fiel ja einfach wie von ganz allein vor uns hinunter in die halbdunkle US-Achterschiff-Tiefe. Die Lage eskalierte. US-Mariner drohten nach kurzer Zeit, unser Schiff zu entern. Unser im 24-Stunden-Rhythmus vorhandener WO griff ein, die Lage entschärfte sich, und am nächsten Morgen mußte sich unser Kommandant bei der US-Navy in aller Form entschuldigen. Ich war bekennender Auslöser und stand schon wieder beim IO (KKpt Ebersbach?) in seiner Kammer. Der schmunzelte und sagte: "Mann, Sie schon wieder (Anmerkung - inzwischen), Obermaat Soll". Das war meine zweite recht originelle - wie ich finde - Disziplinarmaßnahme. Verweis oder strenger Verweis - Formular selbst ausfüllen war für mich gewissermaßen schon Tradition. Lothar Soll


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Anfang 1965 machte diese Geschichte auf Zerstörer 1 die Runde, deren Wahrheitsgehalt erst jetzt überprüft und bestätigt werden konnte:
Im Februar 1965 führte Z 1 ein Torpedoschießen in der Ostsee durch. Dabei soll bei einem Schuss die Seitensteuerung eines Torpedos versagt haben. Der Torpedo soll fortdauernd im Kreis um Z 1 herumgefahren sein. Vom Kommandanten wurde darum an die Torpedofangboote folgender Spruch abgegeben: "Haben Kreisläufer, versuchen zu entkommen!" Das berichtete Peter Engler.

Unser Kamerad Wolfgang Simanowski bestätigte mit diesem Kommentar die Richtigkeit:
"Die Brückenbesatzung war hektisch mit Manöverbefehlen des Kommandanten beschäftigt. Die Heizer und Turbinenbesatzungen fluchten wegen der ständig neuen Befehle von der Brücke. Im Maschinenbereich war Stress angesagt. Z 1 konnte weder durch langsame noch durch AK -Fahrt (Höchstgeschwindigkeit) dem Torpedo entkommen. Letztlich rauschte der Torpedo in fünf Meter Tiefe scharf neben dem Sonardom vorbei und wurde dann später von einem Torpedofangboot an den Haken genommen. Hätte der Torpedo den Sonardom erwischt, wäre die Übung sehr wahrscheinlich beendet gewesen."

Dass so eine Panne kein einmaliges Ereignis war, bestätigte Dieter Freund, der eine ähnliche Situation auf der Idiotenwiese (Seegebiet zwischen Kiel und Flensburg) erlebt hatte:
"In diesem Zusammenhang ist mir ein anderer Befehl noch geläufig. Auf einer Fahrt hatte ich Brückenwache. Da hörte ich folgenden Spruch: 'K. an K., ich drehe durch, drehen sie mit!'"



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