Reinfall: Südafrika mit RSD
 
Die große Enttäuschung

Das wäre der Verlauf der Rundreise gewesen, wenn das Flugzeug A330/200 der Turkish Airlines nicht defekt gewesen wäre und dadurch den Start in Düsseldorf unmöglich gemacht hätte:

Pretoria, Drei Rondavels, Blyde River Canyon, Kruger Nationalpark, Johannesburg,
Inlandsflug nach Kapstadt.
Fahrt mit der Seilbahn auf den Tafelberg, Hafenviertel Waterfront, Garden Route nach Wilderness, Lagune von Knysna, Region Stellenbosch, Chapman's Peak Drive, Kap der Guten Hoffnung. Rückflug.


Die Reise durch Südafrika

Copyright der Karte: RSD
Der vorgesehene Flugplan:

29.10.2019 TK1528 Düsseldorf ab 17:50 - Istanbul an 23:05 Uhr
30.10.2019 TK038 Istanbul ab 02:15 - Johannesburg an 11:10 Uhr

02.11.2019 FA218 Johannesburg ab 15:00 - Kapstadt an 17:15 Uhr

06.11.2019 TK045 Kapstadt ab 18:00 - Istanbul an 06:00 Uhr

07.11.2019 TK1523 Istanbul ab 07:55 - Düsseldorf an 09:25 Uhr


Leider war das Flugzeug der Turkish Airlines defekt. Der Flug von DUS nach IST fiel daher am 29.10.2019 ersatzlos aus, der Anschlussflug ab Istanbul konnte nicht erreicht werden. Wir machen dem Luftfahrtunternehmen keinen Vorwurf, es hat sich richtig verhalten und die Maschine nach mehreren gescheiterten Reparaturversuchen am Boden gelassen.
Wegen "technischer Probleme" war das Boarding erst gegen 19:00 Uhr möglich. Um 21:05 mussten wir mit ca. 220 weiteren Passagieren den nicht ganz ausgebuchten Airbus A330-200 verlassen, weil die Störungsbeseitigung nach Mitteilung des Piloten nicht erfolgreich war. Bustransfer vom Vorfeld zum Flughafengebäude. Gepäck abholen. Mehr als 200 havarierte Menschen standen sodann gegen 21:50 Uhr vor uns am Schalter der Turkish Airlines.
(In DUS sind Abflüge zwischen 22:00 und 6:00 Uhr nicht zulässig; ein Ersatztransport nach Istanbul war daher definitiv ausgeschlossen, selbst wenn man eine Maschine hätte herbeizaubern können. Und der Anschlussflug von Istanbul nach Johannsburg war sowieso schon über alle Berge.)
Die Notfallabteilung unseres Reiseveranstalters (Reise Service Deutschland RSD) wurde von mir um 18:49, 20:29, 21:40 und zuletzt um 21:51 Uhr über den Stand der Dinge informiert. Meine Gesprächspartnerin sagte mir während eines jeden Gesprächs zu, dass uns die Reklamationsabteilung von RSD am 30.10. anrufen werde. Mehr Unterstützung, Ratschläge oder Hinweise gab es nicht.
Da wir in erreichbarer Nähe wohnen, hatten wir auf Hotelgutscheine verzichtet. Um 22:24 Uhr sind wir daher mit der S-Bahn von Düsseldorf Terminal in Richtung Derendorf und Kettwig gefahren. Noch vor Mitternacht waren wir wieder in unserer Wohnung.

Heute (am 30.10.) warteten wir auf einen Anruf der Reklamationsabteilung...,
...der nicht erfolgte. Nachdem die Koffer ausgepackt waren rief ich vormittags beim RSD an. Dabei wurde uns angeboten, heute noch (30.10.) den Flug nachzuholen. Allerdings müssten wir auf einen Rundreisetag in Südafrika verzichten, und die Reise wäre einen Tag kürzer. (Ich diagnostizierte: statt sechs "reiner" Reisetage waren es nur noch fünf.) Die Begründung von RSD: Vom ursprünglich geplanten Flug TK045 für die Heimreise am 6.11. ab Kapstadt dürfe nicht abgewichen werden, er sei zwingend erforderlich. Den Vorschlag haben wir als unzumutbar zurückgewiesen, weil ein wesentlicher Tag der  im Katalog aufgeführten Rundreise fehlen würde. Im Gegenzug boten wir RSD an, die Reise nach Wahl des Veranstalters irgendwann im November durchzuführen. Auf Wunsch meiner Gesprächspartnerin hatte ich eine E-Mail mit diesem Inhalt an RSD abgesetzt. Und das war ein Fehler! Wir hätten erst gar nicht dort anrufen sollen. Denn die Ablehnung des Vorschlages, eine gekürzten Reise
 zu akzeptieren, wurde von RSD als Stornierung aufgefasst.
(Ganz nebenbei: Hinsichtlich der Anreise zum Ersatzflug hätten wir alle Rekorde brechen müssen, um unsere Wohnung fluchtartig verlassen zu können. Gegen 13:30 Uhr hätten wir bereits im Zug Richtung Düsseldorf sitzen müssen. Und jedem Urlauber ist bekannt, dass sich Koffer nicht automatisch packen.)
Wir warteten auf eine Reaktion...

...Keine Reaktion, daher am 31.10. erneut RSD angerufen. Ergebnis: Alle Termine Südafrika seien bis Ende des Jahres ausgebucht; Kreta und Marokko wären noch frei. Diese Ziele aber sind für uns wetterbedingt in den Monaten November oder Dezember indiskutabel.
Meine Frage nach Erstattung der Reisekosten (3.416,00 €) wurde mit dem Satz "Sie bekommen Bescheid" abgetan. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.
Wir warten auf den "Bescheid"...

...Kein Lebenszeichen von RSD. Darum am 05.11.2019 ein Fax an die Leiterin der Kundenbetreuung abgesetzt. Frist für die Erstattung der Reisekosten genannt. Wir wollen vom Reiseveranstalter Reise Service Deutschland (RSD) das Geld (3.416 €) erstattet bekommen.
Wir warten auf eine Reaktion...

...Erstaunlich schnelle Reaktion von RSD:
Forderung eines Storno-Betrages in Höhe von 2.926,10 €!
Es stellte sich heraus, dass RSD unsere Ablehnung, die um einen Tag gekürzte Ersatzreise anzunehmen, als Stornierung gewertet hatte.
Tatsache ist, dass unser gebuchter Flug am 29.10.2019 gecancelt worden war, und zwar aus Gründen, die von uns nicht zu verantworten waren. Die vertragsgemäße Reise kam gar nicht zustande. Für die vom RSD telefonisch angebotene Ersatzreise am 30. bestand zwischen uns und RSD kein Vertrag, sondern nur ein mündliches Angebot, ein mit Mängeln behafteter unverbindlicher Vorschlag. Vielleicht hätten wir anders reagiert, wenn RSD uns während des Gesprächs auf die Konsequenzen hingewiesen hätte.

Von mir wurde ein Fachanwalt für Reiserecht hinzugezogen, der sich der Angelegenheit annehmen wird. Bis zum 22.11. ist er in Urlaub. Die Kanzlei aber sammelt bereits Unterlagen.

Am 18.11.2019 E-Mail von mir an Turkish Airlines (marketing.fra@tkgermany.com). Darin die Überweisung der fälligen Entschädigung in Höhe von 1.200 Euro gefordert. Ich war der Meinung, dass meiner Frau und mir das Geld zusteht.
Keine Reaktion, daher Text der E-Mail als "Einschreiben mit Rückschein" am 20.11. an Turkish Airlines gesandt. Der Brief wurde am 21.11.2019 von der Deutschen Post ausgehändigt. Turkish Airlines teilte am 25.11. per E-Mail mit, dass alle Unregelmäßigkeiten usw. an Istanbul zu richten seien. Ein entsprechendes Formblatt in Deutsch wurde als Anlage zur Verfügung gestellt. Ausgefüllt, abgeschickt. Weiterhin ist Warten angesagt. Am 03.12. teilte man mit, dass man sich "bemüht, innerhalb der Antwortzeit" zu antworten.
Am 04.12. bot uns die Turkish Airlines 25.000 Bonus-Meilen als Wiedergutmachung an, eine Woche später wurde das Angebot auf 35.000 erhöht. Zur Klarstellung: Die Zahlung von 1.200 Euro würde voll auf den Betrag angerechnet, der eventuell von RSD an uns geleistet wird. Das gilt auch für den geldwerten Vorteil der Bonusmeilen. Der Pauschalreisende hat nichts von diesen Zuwendungen.

Am 27.11. erhielten wir Post von unserem Anwalt.
Ein vierseitiger Brief an RSD verdeutlichte seine (und unsere) Forderung. Als Zahlungsziel wurde RSD der 11.12.2019 genannt. Bei Nichtzahlung erfolgt Klage.
Zwischenzeitlich stehen die gegnerische Anwältin von RSD und mein Anwalt in schriftlichem Kontakt. Nach meinem Eindruck schwächelt die RSD-Anwältin, weil ihre Argumente nicht schlüssig sind. Das gibt Anlass zur Hoffnung. Dennoch versucht die RSD-Anwältin in Folgeschreiben, den Verlust eines Urlaubstages positiv darzustellen. Sinngemäß: Es wäre kein Nachteil für uns entstanden. Nach Ankunft des Fluges TK038 hätte man uns mit einer Sonderfahrt transportiert...
Der Gruppe, die bereits um 7:30 Uhr ihr Hotel verlassen hatte, wären wir gegen oder nach 12:00 Uhr hinterhergefahren.
Tatsache ist: Gegen 19:00 Uhr hätten wir die 500 km lange Fahrt entlang der Panoramaroute beendet. Prima! Wenn nicht an diesem Tag um 18:07 Uhr am Blyde River die Sonne untergegangen wäre. Die atemberaubend schönste Etappe der Route hätten wir in finsterer Nacht erlebt. Und die Führung durch Pretoria/Johannesburg und die Übernachtung dort wäre ersatzlos ausgefallen. Was sagte RSD? "Kein Nachteil."

Wir haben bis heute (23.12.) keine Neuigkeiten von unserem Anwalt erfahren. Nach meiner Einschätzung wird sich in diesem Jahr nichts mehr tun.

Erst am 03.01.2020 kam wieder Leben in die Verhandlungen.
Unser Anwalt machte der gegnerischen Seite Zugeständnisse, um gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

23.01.2020: RSD reagierte endlich, ist jedoch nicht zu einer gütlichen Einigung bereit, lehnt alle Vorschläge von uns knallhart ab. RSD kontert mit Hinweis auf ein aktuelles Urteil des Landgerichts München, in dem die Klage abgewiesen und dem Kläger außerdem ein erheblicher Teil der Gerichtsgebühren aufgebrummt wurde.

Die Verhandlungen gehen offenbar weiter, ohne dass wir vom Inhalt oder vom Verlauf der Aktion Kenntnis haben; etwas mehr Transparenz wäre schön. Das ist jedenfalls der Stand vom 17.02.2020.

 Jetzt hat unser Anwalt Turkish Airlines eine Frist gesetzt, bis wann unsere Forderung zur Zahlung von 1.200 € zu erfüllen ist. Nach fruchtlosem Ablauf der Frist wird Klage erhoben. Keine Reaktion meines Anwalts. Was ist los?

Überraschende Wende! Dieser Rechtsanwalt ist nicht mehr unser Anwalt. Die Kanzlei teilte mir ab sofort einen anderen Rechtsbeistand zu. Mal sehen, wie es weiter geht.

Am 03.06.2020 erhielten wir von unserem Anwalt den Entwurf der Klageschrift. Postwendend Freigabe erteilt. Endlich ist der Stein ins Rollen gebracht. Zuständig ist das Amtsgericht Düsseldorf.

Am 05.08.2020 sprach das Gericht ein Versäumnisurteil. Im schriftlichen Vorverfahren wurde der Schuldner rechtskäftig verurteilt. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Am 18.09.2020 teilte unser Anwalt mit: "Da wir noch keinen Zahlungseingang verzeichnen konnten, haben wir das Zwangsvollstreckungsverfahren eingeleitet."

Am 02.11.2020 erhielten wir von unserem Anwalt die Nachricht, dass Turkish Airlines den Betrag von 1.245,36 € überwiesen hat.

Damit ist das Thema

"Enttäuschung Südafrika und Reise Service Deutschland RSD"

beendet.

Zuletzt bearbeitet am 06.11.2020

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