Izmir - Smyrna
mit 3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Türkei

19 Fotos von © Heinz Albers
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Das Wahrzeichen Izmirs, der 24m hohe Uhrturm Der Uhrturm Saat Kulesi in Izmir Izmir: Uhrturm und Moschee Yali Camii Yali Camii in Izmir. Mehmet Pasas Tochter Ayse ließ die Yali Camii im 18. Jahrhundert errichten.
Fußgängerzone in Izmir. Hier ist es im März noch sehr ruhig. Izmir, Skulptur am Hafen von Ferit Özşen mit Fiaker Ferit Özsen: Cumhuriyet Aĝacı - Republik-Baum; Skulptur von 2003 in Izmir Izmir: Denkmal für die Mutter des Mustafa Kemal Atatürks, der als Begründer der modernen Türkei gilt.
Fußgängerzone Kibris Sehitleri Caddesi, Izmir Traditionelles Haus mit schönem Erker an der Kibris Sehitleri, Izmir Altstadt Izmir. In der Straße 1453 Sokak fehlt nur noch der Altbier-Ausschank... Atatürk Caddesi, Izmir. Sehr teure Eigentumswohnungen mit Blick aufs Meer
Nazli und Halit Dengizo baten uns, sie doch bitte zu fotografieren. Das tat ich gerne. Schülergruppe an der Kaimauer von Izmir. Hotel Mövenpick Izmir am Cumhuriyet Boulevard Izmir: Ein Blick auf einen der nördlichen Vororte dieser Millionenstadt
Izmir - Nordteil und bunte Luftballons für Schießübungen Gierige Möven: Mövenpickerei im Hafen von Izmir  

Izmir/Smyrna/Smirni -
ein Trauma

Izmir gehörte seit 1424 zum Osmanischen Reich. Zuvor war diese Stadt unter dem Namen Smirni griechisch.

Die Türkei gehörte zu den Verlierern des 1. Weltkrieges. Das Land wurde politisch und geografisch zerschlagen. Der Süden wurde von den Italienern, der Osten von den Armeniern besetzt. Die Franzosen und Engländer konnten endlich darüber verfügen, was sie schon immer hatten haben wollen: den türkischen Teil Arabiens und des Orients mit seinen Reichtümern. Den Türken selbst blieb nur das Kernland um Ankara.
Die Griechen erhielten die Stadt Smyrna (Izmir), die seit 500 Jahren türkisch war, zu treuhänderischer Verwaltung mit dem Ziel, nach fünf Jahren Anwesenheit über einen Volksentscheid die Einwohner bestimmen zu lassen, ob sie fortan dauerhaft zu Griechenland oder zur Türkei gehören möchten.
Das klingt vernünftig, weil die Ägäisküste der Türkei von alters her griechisches Siedlungsgebiet war. Allerdings wird die Angelegenheit fadenscheinig, wenn man bedenkt, dass die Einwohnerschaft Izmirs zum Ende des 1. Weltkrieges aus 155.000 Griechisch-Orthodoxen und aus nur 45.000 Türken bestand. Ein Eklat war also vorprogrammiert. Das war von den Alliierten so gewollt. Die Waffenlieferanten litten unter der plötzlichen Friedenszeit und verlangten nach militärischen Konflikten.
Im Zuge einer größenwahnsinnigen Aktion überschritten die Griechen 1919 ihr Mandat und rückten mit ihrer Armee in Kleinasien ein, um "ihren" Teil bis hinauf nach Istanbul zu erobern und zu einem Großgriechischen Reich zu vereinen. Und das geschah mit Unterstützung der Alliierten. Die Engländer versorgten die Griechen mit Waffen, die Italiener die Türken.

Das Gemetzel begann. Die Griechen überrannten Izmir und töteten, wer immer auch im Wege war. Unmittelbar nach Beginn der Invasion wurden türkische und andere muslimische Zivilisten der Region durch die griechischen Truppen umgebracht. Allein am ersten Tag der Invasion wurden etwa 1.000 Zivilisten getötet. Die Griechen zogen mir ihrer gut ausgerüsteten Armee ein Blutbad hinterlassend in Richtung Norden und Osten.
Der Feldzug dauerte bis etwa 1921. Dann wurden die Griechen in mehreren Schlachten von den Türken unter Mustafa Kemal vernichtend besiegt. Er eroberte mit seinen Truppen Izmir zurück.
Aber nationalistischer Hass entwickelte eine kaum für möglich gehaltene Bestialität. In den ersten Tagen der Eroberung wurden 40.000 Menschen getötet. Und das war noch nicht das Ende der Gewalt. Mehrere Stadtteile wurden in Brand gesteckt; Izmir war ein Raub der Flammen geworden. Ein Teil der griechischen Bevölkerung fand auf britischen Schiffen Rettung. Andere wurden von den Türken vertrieben oder exekutiert. Der Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway war damals Zeuge der Vorfälle "Auf dem Quai in Smyrna". Lesen Sie seine Kurzgeschichte, und Ihnen bleibt die Luft weg. Immer dann, wenn Sie von einem "Griechischen Haus" hören, z.B. in Sirince, sollten Sie sich an den geschichtlichen Hergang erinnern.
Zwischen 1922 und 1923 gab es eine Massenvertreibung und Enteignungen: 500.000 Türken mussten Griechenland, 1,25 Mio. Griechen mussten die Türkei verlassen.
Im Vertrag von Lausanne wurde den Türken Izmir und die gesamte Westküste Kleinasiens zugesprochen.

Für beide Länder bedeuten diese schrecklichen Ereignisse ein Trauma, das bis in die Gegenwart wirkt. Erst langsam verheilen die Wunden.

Es ist mir bewusst, dass in ein paar Zeilen die geschichtlichen Abläufe nicht umfassend gewürdigt werden können. Zu viele Dinge sind passiert, zu kompliziert sind die Zusammenhänge. Wer mehr Infos haben möchte, kann sich u.a.
hier informieren.


Die Gegenwart

Die traumhafte Ägäisküste und ein mediterranes Flair bereichern den Ort, der sich durchaus mit prominenten Mittelmeermetropolen messen kann. Izmir mit seinen vielen Vororten präsentiert sich heute als moderne, westlich orientierte Stadt in phantastischer Lage an einer verschlungenen Meeresbucht. Der Personenverkehr zu den Stadtteilen wird vielfach mit Schiffen durchgeführt.


Hier ist eine der vielen Landungsbrücken (Borda iskelesi):
Izmir: Landungssteg und Springbrunnen

Einige moderate Hochhäuser und auch städtebauliche Auswüchse gibt es, was bei einer 3-Millionen-Stadt wohl nicht ganz zu vermeiden ist. Die Verschandlungen halten sich in erträglichen Grenzen. Den Bürgern ist kaum anzumerken, dass ihre Erziehungsgrundlagen seit 600 Jahren islamischen Grundsätzen folgen. Die meisten jungen Frauen treten selbstbewusst, weltoffen und den westeuropäischen Traditionen zugewandt auf.
Folgende spaßige Anekdote verdeutlicht den Lebensunterschied zwischen einer Frau aus Izmir und einer, die östlich von Ankara, im fernen Anatolien lebt:
Die Izmirin ist tagsüber sehr zufrieden und nachts unzufrieden, während die im fernen Anatolien lebende Geschlechtsgenossin ein umgekehrtes Lebensgefühl hat: Sie ist tagsüber unzufrieden und nachts sehr zufrieden.
Der Unterschied resultiert daraus, dass die Izmirin in ihrem Beruf und Business erfolgreich und anerkannt ist. Wenn sie abends mit gestärktem Selbstbewusstsein nach Hause kommt, findet sie einen vom Stress und dem Erfolgsstreben angefressenen Mann vor, der nach einigen dringenden Handy-Telefonaten und ein paar Raki apathisch ins Bett fällt. Die anatolische Frau jedoch stöhnt während der Tagesstunden über ihr bäuerliches Los, das ihr die Feldarbeit, den Haushalt und die Sorge um die Kinder aufgebürdet hat. Während sie abends müde ist, kommt ihr Mann wohl erholt heim, weil er tagsüber im Caféhaus oder in der wärmenden Sonne gesessen hat und mit seinen Leidensgenossen Tavla gespielt und Reden geschwungen hat.
Voller Elan und Kraft widmet er sich fortan seiner Gattin, höchstens mal von einem Ruf an die Kinder: "Ruhe! Morgen ist Schule!", sich von seinem befriedigenden Tun abgelenkt.
Die jungen Männer Izmirs aber kennen dem Vernehmen nach jede Moschee der Stadt. Nicht wegen des Gebets, damit haben sie wenig am Hut, sondern weil es dort öffentliche Toiletten gibt, deren Benutzung zum allgemeinen Bedauern seit einiger Zeit gebührenpflichtig ist.

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Texte und Fotos © Heinz Albers

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